Bestandsaufnahme importierter Arten

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Zufällig eingeschleppt oder absichtlich eingeführt? - Eine Bestandsaufnahme

In diversen Foren kommt immer wieder das Argument: „Zahllose Insekten, auch Ameisen, werden zufällig mit Handelsgütern nach Deutschland eingeschleppt. Dagegen ist die Zahl der von Händlern und Touristen absichtlich eingeführten exotischen Tiere verschwindend klein und fällt nicht ins Gewicht. Also ist am Import von und Handel mit Ameisen nichts auszusetzen“. Hier wurden dazu einige Fakten zusammen getragen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Zahlenangaben über importierte bzw. gehandelte Ameisenkolonien

Zahlen hierzu sind selten. In diesem Thread (http://www.ameisenforum.de/einsteigerfragen/42651-nicht-eindeutige-evtl-missverst-ndliche-artenbeschreibung.html) im Ameisenforum vom 01. 04. 2011, Post # 18, findet sich jedoch eine bemerkenswerte Angabe:

Zitat Martin S., Inhaber des „Antstore“: „In unserem Shop wechselt täglich ca. eine dreistellige Zahl an Kolonien den Besitzer.“ Das ist eine bemerkenswerte Zahl.

Die niedrigste dreistellige Zahl ist 100. Multipliziert mit 5 Arbeitstagen pro Woche und 52 Wochen im Jahr gibt das 26.000 (Sechsundzwanzigtausend!) Ameisenkolonien pro Jahr. Selbst nach Abzug von Feiertagen, Urlaubszeiten etc. bleibt es ein sehr hoher Wert.

Wüsste man jetzt noch, wie viele davon nicht aus Deutschland stammen, könnte man das bisher nur qualitativ erfassbare Risiko durch Importameisen und deren Parasitenfracht etwas näher eingrenzen.

Hinzu kommen noch X Kolonien, die von den anderen Shops verkauft werden, sowie die Y Kolonien/Königinnen, die privat aus dem Urlaub in unser Land gebracht werden.

Interessant ist diese Angabe auch im Vergleich zu den paar Handvoll Kolonien, über die in den Foren so berichtet wird: Das wäre dann nicht die „Spitze des Eisbergs“ (grob 10 % vom Eisberg sind über Wasser sichtbar), sondern allenfalls ein Möwenklecks auf dieser Spitze.

Bei derartigen Aderlässen – pro Jahr(!) – ist möglicherweise sogar eine Schädigung einzelner Freilandpopulationen nicht auszuschließen, bedenkt man noch, dass längst nicht jede eingesammelte Königin oder Kolonie in den Verkauf gelangt. „Transportverluste“ dürften auch bei Ameisen nicht wesentlich geringer sein als bei Reptilien und anderen aus dem Freiland entnommenen „Heimtieren“.

[Bearbeiten] In Deutschland etabliert

In Deutschland bereits als Neozooen (pest-ants) m.o.w. etabliert sind die folgenden Arten, die bereits vor Beginn des Internethandels mit Ameisen „zufällig“ angekommen waren:

Abgesehen von Pheidole pallidula werden diese Arten nicht bei den Händlern angeboten, obwohl einige Halter trotz aller Risiken sogar Pharaoameisen besitzen wollten. Andere Halter rühmen sich, Linepithema humile privat beschafft zu haben und zu Hause zu halten. Außerdem zeigt es, dass keine einzige dieser pest-ants durch den Ameisenhandel verbreitet wurde.

[Bearbeiten] Zum Verkauf angeboten

Im Handel sowie von Privathaltern zum Verkauf angeboten werden/wurden in den Jahren seit 2000 sehr viel mehr exotische Arten, von denen praktisch keine „zufällig“ mit Handelsware eingeschleppt werden kann. Welche Parasiten und (Ameisen-) Krankheitserreger mit eingeführt wurden und werden, ist in keinem Fall untersucht worden.

Liste der von Händlern bereits verkauften/angebotenen ausländischen Arten:

Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Außerdem können einige der Gattungs-oder Artnamen Fehldeterminationen sein: Nicht alle Angebote sind nach Bildern der Händler und/oder Privatanbieter einwandfrei zu identifizieren. Die Liste gibt jedoch eine Vorstellung vom Umfang der gehandelten/importierten Artendiversität. Unter den weltweit fast 12.000 beschriebenen Ameisenarten könnten nach groben Schätzung etwa 3.000 bis 5.000 Arten für Händler und Halter „interessant“ und deren Zugriff ausgesetzt sein (So haben alle Pheidole-Arten eine „attraktive“ Soldatenkaste; allein auf dem amerikanischen Doppelkontinent gibt es über 900 Arten, eine entsprechende Zahl wahrscheinlich in der „Alten Welt“).

Nicht berücksichtigt ist hier, dass auch die Einfuhr von in Deutschland heimischen Arten aus anderen Bereichen ihres Verbreitungsgebietes problematisch sein kann (Ausbreitung von nur in Teilen des Areals vorkommenden Parasiten; intraspezifische Faunenverfälschung – vgl. die jeweils mehreren unter Messor structor bzw. Tetramorium impurum/caespitum versteckten Arten, deren Identität zur Zeit erforscht wird, oder die erst in jüngster Zeit v. a. durch B. Seifert aus Lasius niger bzw. L. alienus ausgegliederten und neu beschriebenen Arten).

[Bearbeiten] Privat eingeführt

Liste von weiteren in deutschsprachigen Foren erwähnten, privat eingeführten exotischen Arten.

Diese Liste ist besonders unvollständig (viele Halter scheuen sich, ihre Importe öffentlich anzugeben; auch ist die Suche in den Foren sehr zeitaufwändig). Die Namensangaben sind vielfach zu bezweifeln.

[Bearbeiten] Fazit

Die Anzahl der in Deutschland verkauften und damit eingeschleppten Ameisenarten "aus aller Welt" nimmt stetig zu.

Wann wird eine Art dabei sein, die sich zu einer Plage entwickelt wie die amerikanischen Feuerameisen (Solenopsis invicta)? Wann wird eine mit eingeschleppte Ameisen-Erkrankung einheimische Arten befallen und dezimieren? Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein!

Die Dokumentation der Einfuhren erscheint wichtig, zumal die verantwortlichen Naturschutzbehörden sich bisher weigern, gegen die Gefährdung unserer Natur Maßnahmen zu ergreifen.

[Bearbeiten] Bestandsaufnahme ist beendet

Die „Bestandsaufnahme“ lief vom 27. September 2005 bis 11. Februar 2009, also über knapp 3 ½ Jahre. Die Weiterführung wurde aus verschiedenen Gründen eingestellt, siehe: http://www.ameisenschutzwarte.de/forum/viewtopic.php?t=134 (Letzter Eintrag: 16. März 2009)

(A. Buschinger)




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