Formica sanguinea

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Formica sanguinea
(Blutrote Raubameise)
Präparierte Formica sanguinea -ArbeiterinPräparierte Formica sanguinea -Arbeiterin
Systematik
Unterfamilie: Formicinae
Gattung: Formica
Untergattung: Raptiformica
Art: Formica sanguinea
Weitere Informationen
Verbreitung: Eurasien
Gründung: Sozialparasitisch, Pleometrose
Königinnen: polygyn
Wissenschaftlicher Name
Formica sanguinea

Latreille, 1798


Formica (Raptiformica) sanguinea, die "Blutrote Raubameise", ist eine fakultativ Sklaven haltende Formicine. Sie ist in Eurasien sehr weit verbreitet. Die Nester sind nicht die von Formica (Formica sensu stricto) bekannten Hügelnester; sie entsprechen eher den Nestern der Sklavenarten aus der Untergattung Serviformica, sind jedoch äußerst vielgestaltig und variabel.

Junge Raptiformica-Nester enthalten auf jeden Fall Sklaven. Die Mehrzahl der Bewohner älterer Kolonien stellt immer die "Herrenameise", Raptiformica sanguinea. Größere Völker oder gar Kolonieverbände (polydom und polygyn) können alle Sklavenart-Nester in ihrem Wirkungsbereich vernichten. Man trifft dann auch R. sanguinea-Völker mit nur sehr wenigen, oder ganz ohne Sklaven. Auch werden längst nicht alle eroberten Larven und Puppen der Sklavenarten zu Sklaven aufgezogen: Der größte Teil davon wird gefressen.

[Bearbeiten] Koloniegründung

Die Koloniegründung ist ungemein variabel. Nach Stitz kann die Koloniegründung auf vier verschiedene Arten erfolgen:[1]

  • 1.) Adoption: Aufnahme einer begatteten Jungkönigin in ein fremdes Nest der eigenen Art, oder: Mit Hilfe von Arbeiterinnen der eigenen Art, wodurch Zweigkolonien entstehen,
    oder: Durch Eindringen und Aufnahme einer Jungkönigin in eine Kolonie von Hilfsameisen.
  • 2.) Puppenraub: Eine Jungkönigin eignet sich Puppen aus einem Serviformica-Nest an, das bei einem Raubzug von R. sanguinea geplündert wurde,
    oder: Es werden bei Plünderung eines Nestes von Hilfsameisen dessen Bewohner getötet und ihre Puppen geraubt.
  • 3.) Allianz: Jungkönigin von R. sanguinea und Jungkönigin von Hilfsameisenart finden sich nach dem Hochzeitsflug zusammen und gründen eine Kolonie, die dadurch ihre Hilfsameisen erhält.
    Über eine Koloniegründung von R. sanguinea im Beobachtungsnest durch Allianz mehrerer Jungköniginnen nach ihrem Eindringen in ein Nest der Hilfsameisen, deren Vertreibung und Sichbemächtigen ihrer Brut berichtet Raignier (1938). Nach Auftreten der ersten Arbeiterin tötete wahrscheinlich eines der sanguinea-Weibchen die anderen.
  • 4.) Nesteroberung: Von Eidmann im Beobachtungsnest festgestellt. Das Formica sanguinea-Weibchen tötete hierbei den größten Teil der 20 mit Kokons vorhandenen Hilfsameisen (Formica fusca). Gegen die geschlüpften, noch unausgefärbten Formica fusca -Arbeiterinnen verhielt es sich freundlich, und noch am selben Tag sah man es mit einer kleinen Schar von ihnen die Kokons bewachen und umhertragen.
Präparierte Formica sanguinea -Königin

Mit den angegebenen Unter-Möglichkeiten wären es auch mehr als vier Möglichkeiten. Seifert listet weitere Zitate auf. Es ist unmöglich, die Inhalte aller dieser Arbeiten hier wiederzugeben. Es ist jedoch anzunehmen, dass eine variable Koloniegründung, die auf die verschiedensten Wege erfolgen kann, bei einer sozialparasitischen Koloniegründung nur von Vorteil sein kann.

Eine neuere Arbeit (von 1998) befasst sich ebenfalls mit der Koloniegründung von Formica sanguinea. Danach kehren begattete Weibchen nach dem Schwarmflug in ein Nest von Formica sanguinea zurück und folgen den Raubzügen dieser Kolonie. In den angegriffenen und geschwächten Wirtskolonien können sie relativ leicht eine eigene Kolonie gründen. Auch andere Modi der Koloniegründung wurden untersucht. Es wird dabei angenommen, dass Formica sanguinea bevorzugt durch temporären Sozialparasitismus eine Kolonie gründet.[2]

Anmerkung: Diese Zusammenfassung gibt die Aussagen der Verfasser der Arbeit wieder. Der Begriff "temporärer Sozialparasitismus" ist hier nach allgemeiner Auffassung nicht zutreffend. Dass F. sanguinea ihre Kolonien überwiegend "sozialparasitisch gründet", trifft zu. "Temporärer Parasitismus" bezeichnet jedoch eine Abhängigkeit der parasitischen Königin von der Wirtsart ausschließlich in der Zeit der Koloniegründung; später führt ein temporärer Parasit immer ein Leben wie jede selbständige Art, mit eigenen Arbeiterinnen. Da F. sanguinea zumeist über die gesamte Lebensdauer der Kolonie Sklavenraubzüge durchführt, also vom Nachschub von Wirtsarbeiterinnen (Sklaven) abhängt, ist sie besser als (fakultativ) dulotisch zu bezeichnen. A. Buschinger 19:47, 20. Mär. 2012 (CET)

[Bearbeiten] Beziehung zu Büschelkäfern

Die Büschelkäfer der Gattungen Lomechusa und Atemeles sind Bruträuber in den Ameisennestern und werden trotzdem von den Ameisen geduldet ja teilweise sogar gefüttert. Dieses Verhalten beruht auf der Gier der Ameisen nach einer Ausscheidung der Büschelkäfer. Diese Ausscheidung ist kein Abfallprodukt der Büschelkäfer und Untersuchungen haben gezeigt, dass es sich auch nicht um ein Nahrungsmittel für den Nachwuchs handelt sondern eindeutig um eine alkoholähnliche Droge für die Ameisen. Für diese Droge nehmen die Ameisen auch einen teilweisen Verlust der Brut hin ohne die Büschelkäfer anzugreifen. Es wurde schon beobachtet, dass die Ameisen bei Gefahr erst die Brut der Büschelkäfer in Sicherheit bringen danach die eigene Brut. Es wird vermutet, dass das Raubverhalten der Blutroten Raubameise zum Ausgleich des Brutverlustes durch Büschelkäfer dient.

Bei übermäßiger Vermehrung der Büschelkäfer in einer Ameisenkolonie führt der andauernde Brut- und Nahrungsverlust zum Aussterben der Kolonie. Einige Biologen haben darauf hingewiesen, dass die Blutrote Raubameise wahrscheinlich schon von den Büschelkäfern ausgerottet worden wäre, wenn die Brutpflegerinnen der Ameisen nicht die Büschelkäferpuppen an trockene und warme Lagerorte verbringen würden, genau wie die Ameisenpuppen. Die Büschelkäferpuppen vertragen dieses Klima jedoch sehr schlecht.

Anmerkung: Dieser Beitrag sollte nach http://www.ameisenwiki.de/index.php/Lomechusa verschoben werden.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. ^ Stitz 1939, Hymenoptera – Formicidae, in Dahl (ed.): Tierwelt Deutschlands, Bd. 37, Jena, 428 S.
  2. ^ Mori, A. & Le Moli, F. 1998: Mating Behavior and Colony Founding of the Slave-Making Ant Formica sanguinea (Hymenoptera: Formicidae). - Journal of Insect Behavior 11, 235-245.
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