Gemeinschaftshaltung von Ameisen

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Unter Gemeinschaftshaltung versteht man in der Ameisenhaltung die Vergesellschaftung von mehreren Kolonien oder Arten im selben Formikarium.

Da die Ameisenhaltung als breit ausgeübtes Hobby noch recht jung ist und erst der Ameisenhandel per Internet seit gut 10 Jahren (ab 2000) eine Vielzahl von Arten gleichzeitig leicht verfügbar machte, ist die Vergesellschaftung verschiedener Arten in der Haltung ein noch weitgehend unbetretenes Feld.

Sie wird insbesondere dadurch verkompliziert, dass viele Ameisenarten mäßig bis ausgeprägt territorial sind, daher unterdrücken sie andere Arten früher oder später (z. B. indem sie sie von der Futterquelle ausschließen) oder bekämpfen sie aktiv (s. a. Dominanzhierarchie). Im Laufe ihrer Entwicklung wachsen die meisten Kolonien zudem stark, woraus sich eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses und eine Ausweitung des Territoriums, das als "Heimat" angesehen wird, ergibt.


Unter welchen Umständen kommt eine Vergesellschaftung in Frage?[Bearbeiten]

Folgende Punkte sollten vor der Besetzung eines Formikariums mit verschiedenen Kolonien geklärt werden:

  • Welche Art ist für so ein Vorhaben grundsätzlich geeignet? - Bei stark territorialen und dominanten Arten wie der Schwarzen Wegameise, diversen Formica-Arten, großen Camponotus-Arten (C. cruentatus, herculeanus, ligniperdus und viele mehr) ist eine Vergesellschaft mit der gleichen Art grundsätzlich unmöglich; bei Arten mit kleinem Aktivitätsradius oder gering ausgeprägter Aggressivität untereinander kann sie funktionieren, wenn reichlich Ausweichmöglichkeiten vorhanden sind.
  • Wie kann die Lauffläche maximiert werden? (Strukturierung der Arena)
  • Wie viel Platz steht zur Verfügung? - und damit verbunden:
  • Was passiert wenn die Kolonien getrennt werden müssen?

Bei der gemeinsamen Haltung verschiedener Arten kommt Folgendes hinzu:

  • Hat jede Art ein ihrem natürlichen Lebensraum entsprechendes Rückzugsgebiet? - Wenn nicht sind Konflikte wahrscheinlicher und die grundlegende Stabilität der Gemeinschaft erscheint fraglich.

Beispiele für Vergesellschaftungen[Bearbeiten]

  • Camponotus ligniperdus oder C. herculeanus mit Temnothorax: eingeschränkt; in der Natur werden die kleinen Temnothorax-Arbeiterinnen nicht beachtet wenn sie sich unauffällig verhalten. Die Vergesellschaftung in der Haltung funktioniert manchmal, die "Erfolgsfaktoren" sind unbekannt; in der gemeinsamen Haltung von Camponotus herculeanus zusammen mit Temnothorax unifasciatus wurde beobachtet, wie eine T. unifasciatus-Arbeiterin einer C. herculeanus-Arbeiterin anscheinend Futter anbietet.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. ^ Buschinger, A. und S. Schmid 2005: Futter für Feinde fördert Frieden. - Ameisenschutz aktuell 19, 99-101

Weblinks[Bearbeiten]