Weisellose Kolonien

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Kolonien, deren Königin gestorben ist oder deren Königin(nen) entnommen wurden, werden als „weisellos“ oder „entweiselt“ bezeichnet (nach der in der Imkerei gebräuchlichen Bezeichnung „die Weisel“ für die Königin der Honigbienen). Das Gegenteil: weiselrichtig; im Gegensatz zum Begriff Weisel wird "weisellos" und "weiselrichtig" auch bei Ameisen verwendet.


Königinnenverlust bei Bienen[Bearbeiten]

Honigbienen haben im Gegensatz zu Ameisen die Möglichkeit, sollte die Königin plötzlich ableben, aus bis zu 3 Tage alten Larven noch eine Königin zu erzeugen. Dies geschieht, indem die Arbeiterinnenlarve ein spezielles Futter aus den Futtersaftdrüsen der Arbeiterinnen erhält - das bekannte Gelee Royale. So haben die Bienen über die sogenannte Nachschaffung die Möglichkeit dennoch eine vollwertige Königin nachzuziehen. Sollte jedoch die neue Königin auf dem Begattungsflug verloren gehen, so wird ein Volk „drohnenbrütig“, d.h. aus Eiern, die von Arbeiterinnen („Afterweisel“) gelegt werden, zieht es Drohnen (Männchen ) auf.

Königinnenverlust bei Ameisen[Bearbeiten]

Bei Ameisen kann dies ebenfalls geschehen, doch sind mehrere Möglichkeiten zu beobachten. Es hängt, wie meistens bei Ameisen, von der Verwandtschaftsgruppe (meist der Gattung) ab.

Neuzeugung von Königinnen[Bearbeiten]

Wohl bei (fast) allen Arten wird noch vorhandene Brut aufgezogen. Bei polygynen, im Nest kopulierenden Arten wie der Pharaoameise entstehen dabei einfach neue Geschlechtstiere, nach deren Verpaarung die Kolonie weiter besteht wie zuvor. Deswegen sind das so schwer zu bekämpfende Schadameisen.

Absterben/Übernahme der Kolonie[Bearbeiten]

Bei vielen Gattungen haben die Arbeiterinnen keine Ovarien, können also überhaupt keine Eier legen, Beispiel Tetramorium. In so einem Fall stirbt die Kolonie nach Aufzucht der letzten Brut einfach aus - es sei denn, eine sozialparasitische Königin (zum Tetramorium-Beispiel passend: Anergates) übernimmt ein solches Restvolk und lässt ihre eigenen Nachkommen darin aufziehen; das geht ca. 2 Jahre bis zum endgültigen Ende. Die letzten Geschlechtstiere solcher Kolonien fliegen ab; es ist kein Fall bekannt, wo solche Kolonien in der Natur eine neue Königin akzeptieren würden.

Aufzucht von Männchen[Bearbeiten]

Sehr häufig haben die Arbeiterinnen Ovarien, wenn auch kleinere als die Königin (Myrmica, Leptothorax, Formica, Lasius und andere). Parallel zur Aufzucht der letzten Brut der Königin legen einige Arbeiterinnen bereits Eier, oft in sehr großen Mengen. Diese werden dann zu Männchen aufgezogen, bis die letzten Arbeiterinnen das Zeitliche segnen. Das kann u.a. bei Leptothorax zwei Jahre dauern. Oft gibt es unter den fertilen Arbeiterinnen auch Hierarchie-Kämpfe, dann geht es mit der Kolonie noch schneller bergab.

Heeresameisen[Bearbeiten]

Nur bei Heeresameisen (Dorylinae, Ecitoninae) soll es vorkommen, dass sie bei Verlust der Königin sofort ziellos umherirren und ganz rasch zugrunde gehen. Weisellose Dorylus-Völker können sich allerdings anderen Kolonien mit Königin anschließen, s. Dorylinae.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Kutter, H. 1958: Einsame Ameisen; Mitteilungen der Schweizerischen Entomologischen Gesellschaft 31(2): 177-190

Weblinks[Bearbeiten]