Camponotus ligniperdus

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Camponotus ligniperdus
Major-Arbeiterin von C. ligniperdusMajor-Arbeiterin von C. ligniperdus
Systematik
Unterfamilie: Formicinae
Gattung: Camponotus
Art: Camponotus ligniperdus
Weitere Informationen
Verbreitung: Ganz Deutschland, Mitteleuropa
Habitat: Sonniger Laub-, und Mischwälder, nicht zu trocken
Gründung: claustral, gelegentlich pleometrotisch
Königinnen: monogyn, selten oligogyn
Wissenschaftlicher Name
Camponotus ligniperdus

(Latreille, 1802)


Die Braunschwarze Rossameise Camponotus ligniperdus ist eine der größten Ameisenarten des mitteleuropäischen Raumes.

Merkmale

Die Arbeiterinnen sind polymorph, es treten Minor- bis Majorarbeiterinnen in allen Übergängen mit einer Größe zwischen 6 und 14 mm auf. Die Tiere glänzen stark; Thorax, teils Femur, Petiolus und der Ansatz des ersten gastralen Segments sind rot, während Kopf, der Rest der Beine und die Gaster schwarz sind. Die Farbverteilung und -intensität ist unterschiedlich stark ausgeprägt, so dass auch sehr dunkle Tiere auftreten. Die Färbung der Königinnen ist wie die der Arbeiterinnen, die Rotfärbung kann jedoch deutlich dunkler ausfallen. Gynen erreichen eine Länge von 16–18 mm, Männchen 8 – 12 mm.

Diese Art kann mit Camponotus herculeanus verwechselt werden; in der Gegenüberstellung zeigen sich die Unterschiede deutlich:

Nachdem ich gerade junge Königinnen von Camponotus herculeanus und C. ligniperdus aus zwei befallenen Häusern zur Bestimmung erhalten habe, stelle ich hier mal ein Vergleichsfoto ein. Die Flügel und Beine der toten Tiere wurden entfernt, damit sie nicht den Blick auf Bestimmungsmerkmale verstellen.
Der rote Bereich vorn an der Gaster ist bei C. ligniperdus (meist) wesentlich größer als bei C. herculeanus. Dass die Gaster bei C. ligniperdus etwas stärker glänzt als bei C. herculeanus, ist schwer zu erkennen.
(A. Buschinger, 01. Juni 2007)
Jungköniginnen von C. ligniperdus und C. herculeanus

Verbreitung

Camponotus ligniperdus findet sich in ganz Mitteleuropa inkl. Deutschland. Das Vorkommen erstreckt sich über die Höhenstufen planar und kollin; wenn der Ort sonnenexponiert ist, kommen auch montane Standorte in Frage. Ihrer natürlichen Verbreitung gemäß hält C. ligniperdus 5-6 Monate Winterruhe. Diese wird durch einen rein endogenen Rhythmus bestimmt, die Ameisen entscheiden also selbst über Beginn und Ende der Diapause. Hierbei wird das Nest nicht unbedingt verschlossen.

Lebensraum

Sonnige Stellen warmer Laub- und Laub-Nadel-Mischwälder, Feldraine, Trocken- und Halbtrockenrasen mit Buschwerk werden besiedelt. C. ligniperdus ist thermophiler als C. herculeanus: Die mittlere Juli-Temperatur ist dort wo diese Art vorkommt 2,8 °K höher (Seifert 2007).

Ernährung

Ein Großteil des Nahrungsbedarfes wird durch Trophobiose gedeckt, außerdem werden Tiere erjagt (Zoophagie). Daneben spielt das Anbeißen von Gehölz-Phloem und Auflecken des austretenden Saftes eine untergeordnete Rolle. Im Normalfall werden Nahrungsquellen in 20 – 40 m Entfernung erschlossen (Seifert 2007).

In der Haltung kann diese Art mit Honig und Insekten ernährt werden.

Kolonie und Nestanlage

Die Kolonien sind monogyn, selten oligogyn. Bei schwül-warmem Wetter können sie sehr aggressiv sein, in der Regel erfolgt die Fortbewegung aber gemächlich, kann hingegen vor allem bei Störungen sehr schnell werden. Die Koloniegründung erfolgt claustral, unter Umständen auch in Pleometrose. Die Brutentwicklung von C. ligniperdus ist verglichen mit anderen mitteleuropäischen Arten langsam. Von der Eiablage bis zur Larve vergehen in Gefangenschaft zwischen 9 und 16 Tagen, von der Larve bis zur Puppe bei guter Fütterung 10 bis 14 Tage. Die Puppe braucht zwischen 12 und 24 Tagen bis die Imago schlüpft. (Daten zur Entwicklung beruhen auf nicht repräsentativen Beobachtungen in Gefangenschaft --staggy, 27. Jul 2007)

Das Nest wird bevorzugt in Tot-, aber auch in Lebendholz ausgenagt, selten jedoch höher als 3 m. Dazu kommt meistens ein umfangreiches Erdnest, in Lebensräumen ohne geeignete Bäume treten reine Erdnester auf. (Seifert 2007)

Im unmittelbaren Umfeld des Menschen werden auch verbautes Holz, Zaunpfähle, Holzhäuser/-schuppen und Holzbrücken besiedelt.

Besonderheiten

Größe

C. ligniperdus gehört zu den eindrucksvollsten Ameisen Deutschlands. Zudem sind gerade durch die Größe Verhaltensmuster wie Brutpflege und Trophallaxis sehr gut zu beobachten.

Taxonomie

Camponotus ligniperdus wurde als Camponotus ligniperda bezeichnet, siehe hierzu warum Camponotus ligniperda jetzt C. ligniperdus heißt.

Mandibel-Kampf

C. ligniperdus hat den "Mandibel-Kampf" für sich kultiviert und weiß diesen sehr effektiv einzusetzen: Bei Angriffen hält C. ligniperdus etwas Abstand, ruckt kurz nach vorne und beißt mit den Mandibeln zu, geht dann sofort wieder auf Abstand. Zusätzlich zum Mandibel-Kampf kann vor allem bei Beute der Einsatz der Giftdrüse gut beobachtet werden. Die Major-Arbeiterinnen gelten als extrem wehrhaft, eine einzige von ihnen kann mehrere Waldameisen mit wenigen Bissen zerschneiden.

Kommunikation durch Klopfen

Kommunikation: Klopfen bei Camponotus: Die Arbeiterinnen warnen bei Störungen durch hörbares, schnelles Trommeln mit Gaster oder Mandibeln auf hartem Untergrund

Lichtunempfindlichkeit

Im Gegensatz zu vielen anderen Arten weist C. ligniperdus keinerlei Lichtempfindlichkeit auf. Dies führt dazu, dass in der Haltung rote Folie nicht unbedingt eingesetzt werden muss. Die Königin dieser Art reagiert auch kaum auf direkte Beleuchtung mit einem Lichtstrahl.

Weitere Bilder

C. ligniperdus-Gyne mit Puppen, Larven, und Eiern:

Auf den Unterartikeln dieser Seite finden sich verschiedenste hochauflösende Makro-Fotos eines Halters einer Kolonie Camponotus ligniperdus in einem Terrarium. http://www.dkriesel.com/leisure/camponotus_ligniperdus/

Literatur

Bernhard Seifert: Die Ameisen Mittel- und Nordeuropas. lutra Verlags- und Vertriebsgesellschaft, Görlitz/Tauer 2007, ISBN 978-3-936412-03-1