Ameiseneier (Futtermittel)

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Ameisenpuppen, fälschlicherweise als Ameiseneier bezeichnet
"Ameiseneier" als Futtermittel

Die umgangssprachlich fälschlicherweise als "Ameiseneier" beschriebenen Ameisenpuppen werden im Handel als Futtermittel für Zierfische, im Speziellen Kois und große Barsche, und für Ziervögel als Mastfutter und zur Aufzucht von Jungtieren verwendet.

Bei diesen Ameisenpuppen handelt es sich um Entnahmen aus der Natur, sie können nicht gezüchtet werden. Eine Entnahme bedeutet für die betroffenen Ameisenkolonien einen großen Schaden und kann die Vernichtung einer Kolonie zur Folge haben. Die Ameisenarten denen diese Puppen entnommen werden stehen in Deutschland unter Naturschutz[1], da alle Arten der Waldameisen einen wichtigen Beitrag zur Waldgesundheit und damit zur Stabilität des Ökosystems Wald leisten.[2]

Berichte

Ameisenpuppe1.JPG
Bei vielen Ameisen, z. B. bei den Hügel bauenden Waldameisen sowie bei Ponerinae und Myrmeciinae, spinnt sich die Larve vor der Verpuppung einen Kokon aus selbst produzierter Spinnseide. Diese bei Waldameisen etwa eiförmigen Kokons von 4-6 mm Länge sind hellbraun. Sie werden aufgrund ihres charakteristischen Aussehens häufig als "Ameiseneier" bezeichnet.

Ameisenpuppen als Fisch- und Ziervogel-Futter (im Handel meist falsch als "Ameiseneier" bezeichnet) sind getrocknete, also tote Puppen aus Freilandnestern der Waldameisen (Gattung Formica s. str.). Je nach Lagerungsbedingungen können sie verpilzt oder mit Milben verseucht sein. Die Gewinnung der Puppen aus Waldameisen-Nestern ist für die Ameisenkolonien in hohem Grade zerstörerisch, da aktiv in das Leben einer Kolonie eingegriffen wird. In Deutschland ist das Sammeln von Ameisenpuppen seit Jahrzehnten verboten, Waldameisen sind (über die Jahre hinweg mal mehr, mal weniger streng) geschützt[3].

Rechenbeispiel

Vor einigen Jahren lag der Preis für "Ameiseneier getrocknet", 1000 g, auf dem Futtermittelmarkt um 35.90 €uro. Laut einem Beitrag des Hessischen Rundfunks erhält der Puppensammler in Finnland ca. 7 EUR für ein Kilogramm "Ameiseneier".

Bei einem Durchschnittsgewicht einer Waldameisen-Arbeiterin von ca 12 mg kommen rund 83 Individuen auf ein Gramm, oder 83.000 Ameisen auf 1 kg. Getrocknet dürften von dem Frischgewicht maximal 20 % übrig bleiben, das kg würde dann gegen 415.000 Ameisen (Puppen) enthalten. Das entspricht der Gesamtzahl adulter Ameisen in einem großen Waldameisenvolk, also der Ausbeutung eines ganzen Volkes. Eine derartige Entnahme an Brut kann im Folgejahr schwerwiegende Folgen, bishin zur Vernichtung haben.

Die Deutsche Ameisenschutzwarte hat einmal errechnet, was die Umsiedlung eines zum Beispiel durch Straßenbau bedrohten Volkes kostet (wenn man die in der Regel ehrenamtlich und kostenlos geleistete Arbeitszeit der Beteiligten einsetzt) leicht um die 600.- EUR zusammen. Diese Gegenüberstellung kann einen schon zum Nachdenken bringen. In den letzten Jahren ist der Preis für "Ameiseneier" gestiegen. Man bekommt ein Kilogramm nicht mehr wie im vorher ausgerechneten Beispiel, das schon einige Jahre zurückliegt, für 35,90€. Mittlerweile muss man für ein Kilogramm reiner getrockneter Ameisenpuppen ca. 50-60€ zahlen. Die Preiszunahme kann verschiedene Gründe haben. Nach der Aufwägung von Angebot und Nachfrage neben erhöhter Nachfrage auch die Verminderung des Angebots.

Warum Waldameisen?

Waldameisen sind die einzigen Ameisen, bei denen man mit relativ geringem Aufwand Puppen in wirklich sehr großen Mengen "gewinnen" kann. Camponotus-Bäume zu zerlegen wäre um ein Vielfaches aufwändiger, und auch bei Lasius gibt es keine Möglichkeit, mehr als ein paar hundert Puppen gleichzeitig aus einem Nest zu holen. Zudem sind die Puppen relativ groß, eine Puppenentnahme aus Solenopsis fugax -Nestern wäre nicht rentabel, ein Kilogramm Puppen kann man bei dieser Ameisenart unmöglich aus einem einzigen Nest entnehmen. Der "geringe Aufwand" macht sich besonders durch die Nestform bemerkbar. Das Substrat des "Hügels" ist lose, die Puppen werden an sonnigen Tagen nicht weit unter der Oberfläche des Hügels gelagert, man muss nicht tief graben um an die Brut zu gelangen. Im Vergleich zu einem Lasius flavus -Nest, das ausschließlich unterirdisch angelegt ist, ist die Entnahme von Puppen aus Waldameisenhügeln ein "Kinderspiel".

Menschen die dieser Tätigkeit nachgingen, wurden früher Ameisler genannt.[4]

"Ameiseneier" in industriellen Futtermitteln

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Seit einiger Zeit sind "Ameiseneier" nicht mehr nur in reiner Form auf dem Markt erhältlich, längst werden die Ameisenpuppen auch in industriellem Zierfisch-, Schildkröten-, und Reptilienfutter verarbeitet. Auch namhafte Hersteller wie zum Beispiel die Sera GmbH verarbeiten Ameisenpuppen in ihren Produkten unter dem Namen "Ameiseneier" [5], wobei die Ameisenpuppen mit diversem anderen Futter vermischt werden. In welchen Mengen bei solchen Produkten Ameisenpuppen verwendet werden, ist nicht bekannt, ebenfalls ist die Absatzmenge unbekannt.

Herkunft

In Deutschland ist das "Beeinträchtigen des natürlichen Treibens der Waldameisen" streng untersagt.[3] Der massive Raubbau an Waldameisenhügeln der Untergattung Formica sensu strictu brachte diese an den Rand des Aussterbens.[6]

Deshalb werden die "Ameiseneier" vorwiegend aus Osteuropa und Skandinavien importiert, aus Ländern in denen die Waldameisen nicht unter Schutz stehen und deren Population noch "gesund" ist. Die genaue Lage der Vorkommen dieser Unterart in diesen Gebieten ist nicht bekannt, jedoch muss angenommen werden, dass tausende wenn nicht zehntausende intakte Kolonien bisher beeinträchtigt wenn nicht sogar zerstört wurden.

Konsequenzen

In Deutschland konnte einst beobachtet werden, wie sich massiver Raubbau an Waldameisen negativ auf deren Bestand auswirken kann. Durch massiven Raubbau wurden die Waldameisenbestände in Deutschland so massiv dezimiert, dass sie an den Rand des Aussterbens kamen.[6] Die Ausbeutung der Kolonien zur kommerziellen Nutzung zwecks der Herstellung von Tierfutter hat vermutlich bereits ganz andere Dimensionen angenommen.

Der Erwerb von Ameisenpuppen fördert direkt die Zerstörung von Ameisenkolonien in ihren Ursprungsländern. Noch sind die Folgen nicht abzusehen, Studien zu diesem Thema wurden bisher nicht angestellt. Ob die betreffenden Regierungen die Lage rechtzeitig erkennen werden um Schutzmaßnahmen einzuführen, bleibt abzuwarten.

Alternativen

In jüngster Vergangenheit wurde schon darüber diskutiert, was es für Alternativen zu dem Futtermittel "Ameiseneier" gibt[7]. Der Anteil an mitgelieferten bereits geschlüpften Imagines ist hoch, auch befinden sich in den Kokons bereits teilweise fertig ausgebildete Ameisen, mit noch nicht ausgehärtetem Chitinpanzer, der durch die Lange Lagerung jedoch nachhärten kann. Der große Anteil an Chitin hat vor allem in der Vogelaufzucht und der Fischfuttermittelverwendung keine positiven Effekte. Meist wird darauf geachtet besonders wenig Chitin zu verfüttern, jedoch wird nicht angenommen, dass in der Hülle fertige Ameisen verweilen.

  • Zierfischfuttermittel: Der hohe Anteil von Chitin kann zu Verdauungsproblemen führen, wobei ein Großteil der Puppen unverdaut ausgeschieden wird, ähnlich wie bei voll ausgehärteten, bereits geschlüpften Arbeiterinnen, an deren Innenleben die Verdauung aufrund der "Panzerung" nicht herankommt.
    • Alternative: Fliegenpuppen. Diese weisen keinen so hohen Chitinanteil auf, Chitin ist recht schwer, flugfähige Insekten besitzen deshalb weniger davon. Fliegenpuppen können kommerziell gezüchtet werden, und sind in Angelshops, wie auch in einigen Futtermittelhandlungen zu bekommen. Der Nährwert wird ähnlich sein.
  • Ziervogelfutter: Bei Ziervögeln werden die Ameisenpuppen meistens wegen des hohen Nährwerts und den speziellen Ansprüchen unterschiedlicher Arten verfüttert.
    • Alternative: Ziervögel können ebenfals mit Fliegenpuppen gefüttert werden, diese sind weitaus zahlreicher und billiger zu bekommen, und werden nach Erfahrungen eines Ringelastrildenzüchters aus Deutschland ebensogern angenommen wie Ameisenpuppen.[8]

Weitere Produkte aus "Ameiseneiern"

Neben den als "Ameiseneiern" gehandelten Ameisenpuppen als Futtermittel für Tiere existieren noch andere Produkte aus diesen Ameiseneiern. Bekanntestes ist das sogenannte "Ameiseneieröl", das zur Haarentfernung und diversen anderen "Wellness-Anwendungen" im Kosmetikbereich verwendet wird. Die genaue Herstellung ist unbekannt, vermutlich hat das "Ameiseneieröl" nicht viel mit Ameisen zu tun, es ist fraglich, woher vor allem in sehr trockenen Gebieten wie der Türkei oder dem Iran so große Mengen an Ameisen bzw. deren Puppen beschafft werden können, um daraus Öl zu pressen.

Jedoch sollte man umsichtig sein - die Wirkung dieser Haarentfernung ist umstritten, neutrale Untersuchungen dazu sind nicht verfügbar.

Siehe auch

Weblinks

  • "Ameiseneier" als Futtermittel - Infoblatt (PDF)

Einzelnachweise

  1. ^ Nach §44 BNatSchG, wonach Individuen der geschützten Waldameisen Formica s. str. weder der Natur entnommen noch beeinträchtigt werden dürfen. Siehe: http://www.ameisenschutzwarte.de/rechtliches.php
  2. ^ Nach der "Deutschen Ameisenschutzwarte, siehe: http://www.ameisenschutzwarte.de/waldameisen.php - Waldameisen im Ökosystem/Wertvolle Helfer im Wald
  3. ^ a b Nach §44BNatSchG Absatz 1 Abschnitt 1-4 bzw. §20f Absatz 1 Abschnitt 1 des BNatSchG in der Fassung von 1998
  4. ^ Spiegel Online 28.05.2012: Das große Krabbeln; letzter Zugriff 29.05.2012
  5. ^ Website der "Sera GmbH": Unter Produktname: "Sera raffy I" http://www.sera.de/de/ratgeber/terrarium/fuettern/sera-futter.html
  6. ^ a b Nach Rote Liste bedrohter Tierarten Deutschland In: Register BINOT & al. 1998.
  7. ^ Diskussion Fragen und Antworten http://ameisenwiki.de/index.php/Fragen_und_Antworten - AmeisenWiki
  8. ^ Nach http://ringelastrild.de/