Befruchtete Königinnen gibt es nicht

Aus Ameisenwiki
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Es ist ein Irrglaube, dass Ameisenköniginnen "befruchtet" werden. "Befruchtete" Ameisenköniginnen gibt es nicht.

Ein geflügeltes Jungweibchen, eine Gyne, Gynomorphe, Jungkönigin oder wie auch immer man sie nennt, kann von einem Männchen derselben Art nur begattet werden. Dabei reitet das Männchen auf und es kommt zu einer Verhängung der Hinterleibsspitzen.

Wenn alles gut geht, wird dabei Sperma (Samen, männliche Geschlechtszellen) in die Vagina des Weibchens gepumpt. Dort wird es von der Samentasche (die Spermatheka oder das Receptaculum seminis) aufgenommen.

Wenn die Königin ein Ei ablegt, gibt sie eine winzige Menge der gespeicherten Spermien auf das Ei, während es ihren Geschlechtstrakt passiert. Das ist die "Besamung", Samen werden dem Ei hinzugefügt.

Wiederum wenn alles gut geht, dringt ein Spermium in die Eizelle ein und sein Zellkern (mit den Erbanlagen auf den Chromosomen) verschmilzt mit dem Kern der Eizelle. Erst das ist die "Befruchtung", bei der aus dem haploiden Eikern (mit nur einem Chromosomensatz) und dem ebenfalls haploiden Spermakern innerhalb der Eizelle ein diploider Kern wird (mit zwei Sätzen Chromosomen, dem vom Männchen = Vater und dem vom Weibchen = Mutter). Dieses befruchtete Ei entwickelt sich dann zum weiblichen Embryo, der als Larve das Ei verlässt und schließlich zur weiblichen Imago (fertiges Insekt) heranwächst.

Unbefruchtet verbleibende Eier können sich bei Ameisen (allgemein bei Hautflüglern) ebenfalls entwickeln, doch entstehen aus diesen dann haploiden Larven nur Männchen.

Anmerkung: Wer älteren Darstellungen über Ameisen liest, trifft sehr oft auf Formulierungen wie "befruchtete Königinnen" und "Befruchtung" der Weibchen. Beispiele sind: K. Escherich, "Die Ameise", 1917; H. Stitz, "Ameisen oder Formicidae" (1939); A. Forel, "Die Welt der Ameisen" (in der deutschen Übersetzung durch H. Kutter, 1948); W. Goetsch "Vergleichende Biologie der Insektenstaaten" (1953). Man darf sich hierdurch nicht beirren lassen: Mittlerweile hat man erkannt, dass eine Präzision in der Terminologie, wie oben dargestellt, notwendig ist.