Drosophila

Aus Ameisenwiki
Version vom 14. Februar 2020, 18:23 Uhr von GFJ (Diskussion | Beiträge) (Format)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Drosophila melanogaster

Die Familie der Taufliegen (Drosophilidae) gehört innerhalb der Ordnung der Zweiflügler (Diptera, Fliegen und Mücken) zur Unterordnung der Fliegen (Brachycera).

Systematik[Bearbeiten]

Trivialnamen[Bearbeiten]

Taufliegen werden unter vielen Synonymen gehandelt, so zB Essigfliegen, Fruchtfliegen oder Obstfliegen. Da die deutschen Trivialnamen aber auch für andere Gattungen verwendet werden, sollte grundsätzlich der deutsche Name "Taufliege" oder besser noch der Gattungsname "Drosophila" Verwendung finden.

Besonders Händler nutzen Trivialnamen, um die Ware "besser/teurer" an den Mann bringen zu können, wobei natürlich keine Rücksicht auf korrekte Bezeichnungen oder Gefahren von Verwechslungen genommen wird. Da aber erfreulicherweise gerade die Gemeinde der Ameisenhalter um korrekte Bezeichnungen bemüht ist, verwenden wir im folgenden die korrekte lateinischen Bezeichnung, die Trivialnamen seien nur als "Händlerübersetzungen" erwähnt.

Drosophila melanogaster MEIGEN, 1830[Bearbeiten]

Drosophila melanogaster

Drosophila melanogaster, die Schwarzbäuchige Taufliege, Trivialname "Kleine Fruchtfliege", ist einer der am besten untersuchten Organismen. Zusammen mit über 700 weiteren Arten gehört sie zur Familie der Taufliegen (Drosophilidae).

Drosophila melanogaster war ursprünglich eine tropische und subtropische Art. Sie hat sich jedoch mit dem Menschen gemeinsam über die ganze Welt verbreitet und überwintert in Häusern. Die Weibchen sind etwa 2,5 Millimeter lang, die Männchen sind etwas kleiner. Letztere sind leicht an ihrem stärker abgerundeten, durch Melanine fast einheitlich dunkel gefärbten Hinterleib von den Weibchen unterscheidbar, die in der Aufsicht einen spitzeren Hinterleib besitzen und die schwarzen Melanine mehr in Form eines Querstreifenmusters in die Körperdecke (Cuticula) ihres Hinterendes eingelagert haben. Die Augen der kleinen Fliegen sind durch Einlagerung von braunen Ommochromen und roten Pterinen in typischer Weise rot gefärbt.

Drosophila subobscura COLLIN, 1936[Bearbeiten]

Drosophila subobscura ist ein weiteres Beispiel für die Artverschleppung durch den Menschen... und sollte uns an die Risiken unsachgemäßer Exotenhaltung erinnern. Diese Art ist in den gemäßigten Breiten von Europa und in Teilen Nordafrikas beheimatet. Ihr Lebensraum erstreckt sich von Spanien nordwärts nach Süd-Skandinavien und von Nord-Afrika ostwärts in den Mittleren Osten. In Südamerika wurde die etwa drei Millimeter große, schwarze Fliege das erste Mal 1978 in der Nähe der chilenischen Hafenstadt Puerto Montt beobachtet. Sie breitete sich zunächst sehr schnell an der chilenischen Küste aus. Anfang 1990 tauchten die kleinen Gesellen auch in Nordamerika auf. Genetische Untersuchungen haben ergeben, daß sie sehr wahrscheinlich gleicher Abstammung sind, und die Wissenschaftler vermuten, die Fliegen seien mit einem Schiff von Europa nach Übersee gekommen. Seit ihrer Einbürgerung in Nord- und Südamerika haben sie sich einen riesigen Lebensraum erobert und bedrängen dort einheimische Nahrungs-Konkurrenten.

Drosophila hydei[Bearbeiten]

Drsophila hydei

Große Fruchtfliege. Drosophila hydei ist eine der Größten ihrer Gattung. Entsprechend lang sind auch die Entwicklungszeiten vom Ei bis zum Imago. Drosophila hydei wird aufgrund ihrer Größe gerne als Futter für diverse Kleintiere gezüchtet.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Weibchen der Drosophila legen ihre Eier direkt auf das Zuchtsubstrat ab, nach 24h schlüpfen bereits die kleinen Larven und fressen sich durch das Substrat. Innerhalb der nächsten 10 Tage erfolgen drei Häutungen und die Larven beginnen mit der Verpuppung. Nach 4-5 Tage schlüpfen die adulten Fliegen und beginnen sofort mit der Paarung, die erste Eiablage erfolgt dann am 3. Lebenstag. Vom 3. - 6. Lebenstag haben die Fliegen die höchste Legerate, ab dem 6. Tag können die Fliegen dann als Futtertiere verwendet werden.

Einige Arten wie D. melanogaster können ihren ganzen Lebenszyklus im Dunkeln verbringen, andere wie D. subobscura kopulieren nur bei Licht.

Der Vermehrungzyklus der D. hydei ist wesentlich länger, als der ihrer kleinen Vettern; dafür ist die Standzeit der Ansätze, wenn man ab und zu verdunstetes Wasser nachfüllt wesentlich länger.

D. hydei ist größer, agiler und schneller als andere Arten und wird bei jagenden Ameisenarten oft schneller anvisiert, allgemein werden die Ameisen dieser Fliege jedoch schlechter habhaft und hungern bei gedecktem Tisch.

Zucht[Bearbeiten]

Behälter[Bearbeiten]

Laborkultur-Behälter

Für einen Zuchtbehälter geeignet sind praktisch alle hochwandigen Gefässe und Boxen aus Kunststoff oder Glas... Joghurtbecher, Einmachgläser, Vasen, kleine Aquarien für größere Zuchten, Speiseeis-Verpackungen.

Verchlossen wird der Behälter mit einem Stück luftdurchlässigen Perlonstrumpf oder ähnlich feinem Netz... bitte beachte: die Taufliegen sind extrem klein und schlüpfen durch feinste Maschen, also sollte auch der Perlonstrumpf nicht zu stark gedehnt werden! Es besteht jedoch die Gefahr einer Wildpaarung durch das dünne Perlon-Gewebe, vor allem im Sommer hilft hier eine doppelte Lage aus Perlon, wobei zwischen den zwei Lagen ein kleiner Hohlraum durch einen dünnen Ring aus zB Pappe erzeugt werden kann.
Küchenkrepp oder ähnliches ist durch mangelnde Luftdurchlässigkeit und fehlende Reissfestigkeit nicht optimal, Stoffe sind oft zu grob und die Fliegen können hindurch krabbeln.
Als gut geeignet erwiesen haben sich auch Deckel aus sehr feinem Schaumstoff, besonders die Gefahr einer Wildpaarung ist hier ausgeschlossen.

Nahrung[Bearbeiten]

Die winzigen Maden der Fliegen ernähren sich von Hefepilzen, die sie aus dem Zuchtsubstrat suchen. Taufliegen tragen grundsätzlich Sporen eines Hefepilzes bei sich, mit dem sie den geeigneten Untergrund für die Eiablage infizieren. Da der eigene Hefepilz aber nicht schnell genug wächst um Schimmel zu verdrängen, sollte Zuchtsubstraten mit bereits zugegebenen Hefepilzen der Vorrang gegeben bzw allen Zuchtsubstraten, soweit nicht im Rezept bereits angegeben, etwas Hefe zugegeben werden

Einfaches Rezept für ca 3 Einmachgläser:

  • 500 g Haferflocken
  • 0,2L Weisswein, lieblich (zB Tafel-/Landwein aus dem Tetra-Pack)
  • ca 0,6L Wasser

Die Zutaten zu einem nicht zu festen Brei verrühren, dieser sollte noch zäh vom Rührlöffel tropfen). Da diesem Rezept keine Hefepilze zugegeben werden, kann es portionsgerecht gefrostet werden. Das frische (oder aufgetaute) Zuchtsubstrat ca 1 h abgedeckt stehen lassen und anschliessend gut aufschlagen, um Luft unterzuheben.

Minimal-Rezept, fast geruchsfrei:

  • 40 g Backhefe (1 Würfel)
  • 2 Teelöffel Zucker (kein Honig!)
  • 100 ml Essig
  • Baumwollwatte

Die frische Hefe mit dem Zucker gründlich vermischen, bis ein flüssiger Brei entsteht, dann mit Essig auffüllen. Das Zuchtsubstrat dann solange mit Baumwollwatte einstampfen, dass keine Flüssigkeit mehr zu sehen ist. Dieses Rezept ist immer frisch anzusetzen, frosten zerstört den Hefepilz!

Produktives Rezept mit hoher Geruchsbelästigung:

  • 300 g Sojaschrot
  • 150 g Haferflocken
  • 40 g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 5 g Trockenhefe

Die trockene Mischung mit Orangensaft (oder anderen Obstsaft) übergiessen und quellen lassen, bis man eine feste Masse entstanden ist. Ist die Masse noch zu flüssig, wird weiteres Material untergerührt. Dieses Zuchtsubstrat erlauben eine sehr schnelle Produktion von gut genährten Fliegen, allerdings sind die Ansätze nicht sehr lange haltbar; nach schon einem Generationszyklus muss man sie neu ansetzen. Auch erzeugt dieses Substrat eine erhebliche Geruchsbelästigung.


Alle Zuchtsubstrate müssen sofort verwendet werden, um Schimmel oder Milbenbefall zu vermeiden... auch nisten sich schnell „wilde“, flugfähige Taufliegen aus der Wohnung ein.

Einer Zugabe von Obst (vor allem Bananen-Scheiben) steht aus Sicht der Fliegen nichts entgegen, jedoch kann es dadurch zu einer erheblichen Geruchsbelästigung kommen.

Oft werden allen Zuchtsubstraten noch Vitamin- Mineralpräparate zugegeben, diese sind aber nicht zwingend erforderlich.

Gegen Schimmelbildung wird in der Terraristik oft die Zugabe von 1 Messerspitze Methylparaben oder „Nipagin" (4-Hydroxybenzoesäuremethylester) empfohlen...
Untersuchungen oder Einschätzungen zur Verträglichkeit bei Ameisen liegen dem Verfasser jedoch nicht vor.

Klima[Bearbeiten]

Die besten Vermehrungsergebnisse lassen sich bei Temperaturen von 20 - 23 °C erreichen. Das ist gleichzeitig die ideale Temperatur für D. hydei, die anscheinend über 25 °C die Eiablage einstellt. Bei 24 - 26 °C ist die Entwicklung der anderen Arten am schnellsten.

Auf eine erhöhte Luftfeuchte muss nicht geachtet werden, jedoch darf das Zuchtsubstrat nicht austrocknen. Bei bedarf die Oberfläche mit einer Gabel etwas anrauhen und ein paar Tropfen Wasser zugeben.

Einrichtung[Bearbeiten]

Als Bodengrund dient für die Zucht nur das Zuchtsubstrat mit einer Mindesthöhe von 3cm. Es sollte immer darauf geachtet werden, dass das Zuchtsubstrat nicht austrocknet!

Als Lauffläche für die adulten Fliegen eignen sich Eierkartons, die ja in vielen Futtertierzuchten Einsatz finden. Holzwolle ist auf Dauer weniger geeignet, da diese schnell durch die Feuchte weich wird und zusammen sackt. Diese Lauffläche ist vor allem zur Kopulation der Fliegen zwingend erforderlich!

Anleitung[Bearbeiten]

Den Behälter mind. 3cm mit den Zuchtsubstraten füllen und Holzwolle oder Eierkartons dazugeben. Zum Schluss wird der Zucht mit 30-50 adulten Fliegen angesetzt und der Behälter gut abgedeckt.
Ein Überbesatz mit Taufliegen erzeugt sog. "Hungerfliegen", eine für die Fütterung oft ungeeignete Zwergform der Drosophila.

Die Behälter sind regelmässig auf genügend feuchtes Substrat und Frischluft zu kontrollieren. Schimmel und Milben tauchen in der Droso-Zucht recht schnell auf und machen die Zuchtbehälter unbrauchbar!! Aus diesem Grund müssen frühzeitig neue Zuchten in frischen Behältern angesetzt werden. Die erste Generation der Fliegen sollten direkt zum Ansatz einer neuen Zucht verwendet werden... Futterfliegen werden noch reichlich schlüpfen.

Theoretisch können die Behälter monatelang zur Zucht verwendet werden, praktisch sollten sie jedoch für maximal 2 Generationen Verwendung finden. Die Gefahr von Schimmel und Milben ist sonst zu groß und kann die Zucht zerstören.

Hinweise[Bearbeiten]

Milben[Bearbeiten]

In Droso-Zuchten sind häufig drei Milben-Arten zu beobachten, die leider bisher nicht wissenschaftlich bestimmt sind... eine Infektionsrisiko für Ameisen ist somit schwer abzuschätzen. Da diese Milben jedoch vorwiegend innerhalb des Zuchtsubstrates zu beobachten sind, nicht jedoch auf den Fliegen oder Fliegenmaden, ist ein Befall der Ameisen zumindest fraglich. Als Futtertiere sind befallene Zuchten jedoch nicht mehr zu gebrauchen, da Milben und Fliegen kaum mehr zu trennen sind.

Bei Befall ist der beste Weg wohl die Entsorgung des befallenen Zuchtbehälters!
Stehen keine anderen Zuchten in frischen behältern zur Verfügung, kann zumindest die Rettung eines kleinen Zuchtansatzes versucht werden... jedoch führt dieses IMMER zu einem schnellen Neubefall der Zuchtbehälter.

Den befallenen Behälter mit lauwarmem Wasser auffüllen und gut durchrühren, anschliessend durch ein mittleres Sieb giessen. Diese Spülung mind. 4 x wiederholen!
Die dann im Sieb befindlichen Fliegenmaden werden auf ein frisches Substrat gesetzt.

Wildpaarungen[Bearbeiten]

Für eine Drosophila-Zucht kommen aufgrund der einfacheren Handhabung vor allem flugunfähige Zuchtformen zur Verwendung. Diese Zuchten mit Stummel-Flügeln sind gegen "gesunde" Gene sehr anfällig! Paart sich jetzt eine Zuchtform mit einer Wildform, werden sofort alle daraus entwickelten Fliegen voll Flugfähig werden und dem überraschten Züchter um die Ohren schwirren. Besonders schwierig wird es dann, aus den Fliegen wieder einen flugunfähigen Zuchtansatz zu selektieren, meist ist der komplette Zuchtbehälter verloren. Es ist also unbedingt auf die Trennung der Zucht von wilden Fruchtfliegen zu achten!

Weitere Rezepte[Bearbeiten]

  • 1/2 Banane
  • 1/2 Apfel
  • kl. Karotte
  • 1/2 Esslöffel Essig
  • 1 Teelöffel Hefe
  • 2 Esslöffel Semmelbrösel

Klassisches Drosophila- Futterbrei- Rezept aber mit Nipagin

  • 12 g Agar- Agar
  • 70 gr. Zucker
  • 120 gr. Maisgrieß
  • 5 g Trockenhefe
  • 1 g Nipagin
  • 1 Liter Wasser.

Agar- Agar, Zucker, Maisgrieß gut aufkochen. Hefe und Nipagin nach abkühlen unter die Masse rühren

Übrigens: Es gibt genauso viele Rezepte wie Fliegen ! ...