Gesundheitliche Gefahren für Halter

Aus Ameisenwiki
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Die Haltung von Ameisen birgt für die Halter im allgemeinen keine besonderen gesundheitlichen Risiken. Stiche durch in Deutschland einheimische Arten sind gewöhnlich harmlos, abgesehen von Personen mit Allergien, oder wenn die stechenden Ameisen z. B. im Schlundbereich zum Stich kommen.

Die Haltung exotischer Arten allerdings kann mit erheblichen Risiken behaftet sein.

Gefahren durch Ameisensäure

Die Arten der Unterfamilie Formicinae haben ziemlich hoch konzentrierte Ameisensäure in der Giftblase. Diese Säure kann z. T. über mehrere Dezimeter abgespritzt werden, sowohl auf potenzielle Beutetiere als auch auf (vermeintliche) Angreifer. Beim Hantieren mit Waldameisen, auch der Untergattung Raptiformica, sollte man vermeiden, dass Säure ins Auge gespritzt wird. Das ist mindestens sehr schmerzhaft. Falls es geschehen ist, hilft umgehend Spülen mit Wasser. Polyrhachis-Arten geben ebenfalls Ameisensäure ab. Ein Halter mit einer sehr großen Kolonie berichtete von unerträglichen Säure-Ausdünstungen aus seinem Formikarium, die sogar zu leichter Lungenverätzung geführt haben. Er hat sich schließlich von seiner Kolonie getrennt (hat sie überbrüht).

Lasius fuliginosus: Undecan und Dendrolasin

Es gibt einige Unklarheiten über die Giftwirkung der Sekrete von Lasius (Dendrolasius) fuliginosus. Auf eine Anfrage in einem Ameisenforum wird Folgendes geantwortet:

Klar ist, dass die Sekrete deutlich riechbar sind (der Geruch ist charakteristisch, süßlich, aber schwer zu beschreiben). Weiterhin ist das Wehrsekret für manche anderen Ameisen giftig oder zumindest abschreckend. Siehe dazu Lasius fuliginosus.

Zur Giftwirkung auf Menschen ist Folgendes zu finden:

Wikipedia: n-Undecan entfettet und rötet die Haut. In den Augen führt die Flüssigkeit zu Schmerzen und Rötung. (Das gilt aber offenbar für reines, flüssiges Udecan!)

In der Nähe der Nester ist ein für den menschlichen Geruchssinn süßlicher Duft wahrnehmbar. In ihren Mandibeldrüsen produzieren die Ameisen Dendrolasin und Undecan. Diese Sekrete werden bei Störung oder Bedrohung des Nestes abgegeben. Was für den Menschen nur ein süßlicher Duft ist, ist für das Ameisenvolk eine effiziente Methode, das komplette Nest in Alarmbereitschaft zu versetzen. Zudem hat dieser Geruch eine sehr starke abschreckende Wirkung auf Formica und andere Lasius-Arten und wirkt bei diesen sogar toxisch. (Das gilt für die Substanz in der Gasphase, wobei gewöhnlich recht geringe Konzentrationen vorliegen).

Gute Informationen finden sich auch in Sicherheitsdatenblättern:

http://chemie.uni-lueneburg.de/gefahr/8186/818629.pdf (Undecan von Merck): „Gesundheitsschädlich. Kann bei Verschlucken Lungenschäden verursachen.“

http://www.chemie.uni-erlangen.de/vostrowsky/natstoff/09Pheromone.pdf ab S. 227 über Dendrolasin und viele andere Ameisenpheromone. Vostrowski ist DER Pheromonspezialist!

Dendrolasin ist ein Sesquiterpen. Über seine evtl. Schädlichkeit für den Menschen konnte ich nichts Gescheites herausfinden, doch gelten viele Terpene usw. als toxisch.

Eigene Erfahrung: Über viele Jahre habe ich jeweils für ein Ameisenpraktikum mehrere hundert Arbeiterinnen von Lasius fuliginosus mittels Exhaustor von ihren Straßen gesaugt.

Der Saugapparat wird mit dem Mund betrieben. Die Tiere sondern im Stress sehr viel Wehrsekret ab. Es schmeckt nicht gut, aber außer einer kurzfristigen, leichten Reizung der Mundschleimhäute konnte ich keine gesundheitliche Beeinträchtigung feststellen. Vermutlich wird dabei nicht die für Menschen toxische Konzentration erreicht.

Ich würde dennoch keine Kolonie im Zimmer halten wollen: Der aufdringliche Geruch wird auf Dauer lästig.

Ob andere Ameisen in demselben Raum durch die Ausdünstungen beunruhigt oder geschädigt werden können, ist sicher nicht untersucht (Luftkonzentration von Undecan und Dendrolasin müsste gemessen werden, Dauer der Exposition, bei verschiedenen Temperaturen usw.; viel Aufwand für eine wissenschaftlich wenig spannende Fragestellung!)

84.167.60.208 13:04, 20. Mai 2010 (UTC)