Bearbeiten von „Myrmecina graminicola“

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{{Ameisenart
 
| Autor            = (Latreille, 1802)
 
| DeName          =
 
| WissName        = Myrmecina graminicola
 
| Gattung          = Myrmecina
 
| Unterfamilie    = Myrmicinae
 
| Art              = graminicola
 
| Bild            = Myrmecina graminicola Nest mit Brut.jpg
 
| Bildbeschreibung = ''Myrmecina graminicola'' -Arbeiterinnen mit Brut
 
| Verbreitung = Mitteleuropa
 
| Habitat          = warme Wälder unter Steinen
 
| Gruendung        = [[Gründung#Die unabhängige Koloniegründung durch einzelne Königinnen (claustrale/semiclaustrale Gründung)|semiclaustral]]
 
| Koeniginnen      =
 
}}
 
 
'''Myrmecina graminicola''' (Myrmicinae) ist eine in Mitteleuropa weit verbreitete, aber selten gefundene Ameise mit sehr versteckter Lebensweise. Die Völkchen sind klein; sie umfassen gegen 50 adulte Tiere, selten mehr. Nester finden sich frei im Boden lichter, wärmeliebender Wälder, oder unter dicken Steinen.
 
'''Myrmecina graminicola''' (Myrmicinae) ist eine in Mitteleuropa weit verbreitete, aber selten gefundene Ameise mit sehr versteckter Lebensweise. Die Völkchen sind klein; sie umfassen gegen 50 adulte Tiere, selten mehr. Nester finden sich frei im Boden lichter, wärmeliebender Wälder, oder unter dicken Steinen.
 
Die Art ist relativ leicht zu halten und sogar über Generationen zu züchten, ist aber gegen zu hohe Temperaturen empfindlich und benötigt eine lange Winterruhe (mindestens 5 Monate).
 
Die Art ist relativ leicht zu halten und sogar über Generationen zu züchten, ist aber gegen zu hohe Temperaturen empfindlich und benötigt eine lange Winterruhe (mindestens 5 Monate).
 
Sie lebt überwiegend räuberisch, teils von Milben, nimmt aber in Gefangenschaft gerne auch Honigwasser an. Die Entwicklung ist sehr langsam; Geschlechtstiere entstehen nur aus einmal überwinterten Larven.
 
Sie lebt überwiegend räuberisch, teils von Milben, nimmt aber in Gefangenschaft gerne auch Honigwasser an. Die Entwicklung ist sehr langsam; Geschlechtstiere entstehen nur aus einmal überwinterten Larven.
  
'''Haltung/Koloniegründung''':
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Die Koloniegründung im Labor/in Privathaltung ist schwierig.
 
 
{{Bericht}}  
 
{{Bericht}}  
 
Als Besonderheit, die M. graminicola wissenschaftlich interessant macht, hat sie einen Königinnen-Polymorphismus (vgl. auch Harpagoxenus sublaevis!) mit normale ge- bzw. entflügelten gynomorphen und flügellosen, der Arbeiterin m.o.w. ähnlichen intermorphen Königinnen.
 
Als Besonderheit, die M. graminicola wissenschaftlich interessant macht, hat sie einen Königinnen-Polymorphismus (vgl. auch Harpagoxenus sublaevis!) mit normale ge- bzw. entflügelten gynomorphen und flügellosen, der Arbeiterin m.o.w. ähnlichen intermorphen Königinnen.
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[[bild:Myrmecina graminicola Volk.jpg]]
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[[bild:Myrmecina_graminicola_Volk.jpg]]
 
   
 
   
 
Bild 1 zeigt einen Blick in ein Labornest mit zwei intermorphen Königinnen (jeweils mit * markiert, haben größere Gaster) kurz nach einer Überwinterung. Es sind nur Larven im Nest, aus denen sich bei guten Bedingungen Geschlechtstiere und Arbeiterinnen entwickeln werden. (Der grüne Belag auf dem Gipsboden sind Algen).
 
Bild 1 zeigt einen Blick in ein Labornest mit zwei intermorphen Königinnen (jeweils mit * markiert, haben größere Gaster) kurz nach einer Überwinterung. Es sind nur Larven im Nest, aus denen sich bei guten Bedingungen Geschlechtstiere und Arbeiterinnen entwickeln werden. (Der grüne Belag auf dem Gipsboden sind Algen).
  
  
[[bild:Myrmecina graminicola Nest mit Brut.jpg]]
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[[bild:Myrmecina_graminicola_Nest_mit_Brut.jpg]]
  
 
Bild 2 ist ein Blick in ein Nest mit sommerlichem Brutzustand. Man erkennt Larven, Puppen von Arbeiterinnen, Intermorphen und Männchen (ganz rechts in der Mitte eine bereits schwarze Männchenpuppe).
 
Bild 2 ist ein Blick in ein Nest mit sommerlichem Brutzustand. Man erkennt Larven, Puppen von Arbeiterinnen, Intermorphen und Männchen (ganz rechts in der Mitte eine bereits schwarze Männchenpuppe).
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(A. Buschinger, 09. März 2006)
 
(A. Buschinger, 09. März 2006)
  
Ein Bildbericht über den Nestumzug von Myrmecina graminicola findet sich im Ameisenforum:
 
http://www.ameisenforum.de/ameisenforum-2001-2005-archiv/21241-myrmecina-umzug-weltpremiere.html. Anm.: Die Bilder sind gelöscht (Jan. 2011). Für die wissenschaftliche Veröffentlichung siehe Literatur: Buschinger, A. (2010) (mit Bildern).
 
  
 
'''Literatur:'''
 
'''Literatur:'''
  
Buschinger, A. (2001): Myrmecina graminicola, eine versteckt lebende Ameise mit ungewöhnlichen Eigenschaften. Ameisenschutz aktuell 15, 1 – 19. http://antbase.org/ants/publications/14627/14627.pdf
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Buschinger, A. (2001): Myrmecina graminicola, eine versteckt lebende Ameise mit ungewöhnlichen Eigenschaften. Ameisenschutz aktuell 15, 1 – 19.
  
 
Buschinger, A. (2005): Mating of intermorphic queens in the ant, Myrmecina graminicola   
 
Buschinger, A. (2005): Mating of intermorphic queens in the ant, Myrmecina graminicola   
 
(Myrmicinae). www.notesfromunderground.org/issue 11-1, p 4-8
 
(Myrmicinae). www.notesfromunderground.org/issue 11-1, p 4-8
  
Buschinger, A. (2005): Experimental Evidence for Genetically Mediated Queen Polymorphism   
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Buschinger, A. (2005):Experimental Evidence for Genetically Mediated Queen Polymorphism   
 
in the Ant species Myrmecina graminicola (Hymenoptera: Formicidae). Entomol Gener 27: 185-200.
 
in the Ant species Myrmecina graminicola (Hymenoptera: Formicidae). Entomol Gener 27: 185-200.
 
Buschinger, A. (2010): Nest relocation in the ant Myrmecina graminicola (Hymenoptera: Formicidae). - Myrmecol. News 13: 147-149.
 
http://myrmecologicalnews.org/cms/index.php?option=com_content&view=category&id=414:myrmecol-news-13-147-149&Itemid=82&layout=default
 
  
 
Steiner F.M., Schlick-Steiner, B.C., Konrad, H., Linksvayer, T.A., Quek, S.-P., Christian, E., Stauffer, C., Buschinger, A.:, 2006: Phylogeny and evolutionary history of queen polymorphic Myrmecina ants (Hymenoptera: Formicidae). Eur. J. Entomol. 103, 619-626.
 
Steiner F.M., Schlick-Steiner, B.C., Konrad, H., Linksvayer, T.A., Quek, S.-P., Christian, E., Stauffer, C., Buschinger, A.:, 2006: Phylogeny and evolutionary history of queen polymorphic Myrmecina ants (Hymenoptera: Formicidae). Eur. J. Entomol. 103, 619-626.
  
 
''Abstract of Steiner et al. 2006'': The phylogenetic relationships in the myrmicine ant genus Myrmecina were analyzed using 1,281 bp of the mitochondrial cytochrome c oxidase I gene. Intermorphic queens observed in M. graminicola (Europe), M. nipponica (Japan), M. americana (North America; reported for the first time) and M. sp. A (Java) were reconstructed as an ancestral trait in this genus. Molecularclock-based age estimates suggest that queen polymorphism evolved in Myrmecina at the latest during the Miocene. In terms of biogeographical regions, the inferred chronological order of divergence is: (oriental, (nearctic, (western palearctic, eastern palearctic))).
 
''Abstract of Steiner et al. 2006'': The phylogenetic relationships in the myrmicine ant genus Myrmecina were analyzed using 1,281 bp of the mitochondrial cytochrome c oxidase I gene. Intermorphic queens observed in M. graminicola (Europe), M. nipponica (Japan), M. americana (North America; reported for the first time) and M. sp. A (Java) were reconstructed as an ancestral trait in this genus. Molecularclock-based age estimates suggest that queen polymorphism evolved in Myrmecina at the latest during the Miocene. In terms of biogeographical regions, the inferred chronological order of divergence is: (oriental, (nearctic, (western palearctic, eastern palearctic))).
==Lesestoff==
 
[[http://www.ameisenwiki.de/index.php/F%C3%BCr_Arbeiterinnen_t%C3%B6dliche_Paarungen_bei_Myrmecina_graminicola]] Paarungsversuche von Männchen mit Arbeiterinnen.
 
 
[[http://www.schweizerbart.de/papers/entomologia/list/27#issue2]]
 
Experimental Evidence for Genetically Mediated Queen Polymorphism in the Ant species ''Myrmecina graminicola'' (Hymenoptera: Formicidae) [Experimenteller Nachweis für genetisch bedingten Königinnen-Polymorphismus bei der Ameisen-Art ''Myrmecina graminicola'' (Hymenoptera: Formicidae)] Buschinger, Alfred
 
 
 
Entomologia Generalis Volume 27 Number 3-4 (2005), p. 185 - 200
 
 
veröffentlicht: Mar 1, 2005 ArtNr.: ESP146002703010, Preis: 17.60 €
 
 
'''Kurzfassung'''
 
 
Kontrollierte Verpaarung von gynomorphen (gyn/gyn) und intermorphen (gyn/int oder int/int) Weibchen von ''Myrmecina graminicola'' (Latreille 1802) mit gyn- bzw. int-Männchen, sowie die Aufzucht von deren Geschlechtstier-Nachwuchs zeigte, dass die elterlichen Genotypen über den Phänotyp der weiblichen Nachkommen entscheiden.
 
 
Weibliche Geschlechtstiere, sowohl Gynomorphe als auch Intermorphe, zeigen eine Art Locksterzel-Verhalten, wobei die Gynomorphen nur wenig flugaktiv sind. Männchen werden durch ein Sekret der weiblichen Giftdrüse angelockt. Der Erfolg der Koloniegründung begatteter Jungköniginnen wurde durch Zugabe einiger Arbeiterinnen aus der elterlichen Kolonie gefördert, sowie durch einige Arbeiterinnen-Puppen und -Larven aus fremden Völkern. Erste Geschlechtstier-Nachkommen wurden in den Kolonien in der zweiten bis sechsten künstlichen Sommerperiode aufgezogen. In bis zu vier ,Sommern’ wurde(n) in einer Kolonie jeweils der (die) gleiche(n) Phänotyp(en) produziert.
 
 
Gynomorphe (gyn/gyn) erzeugten nach Verpaarung mit dem Sohn einer Gynomorphen (gyn-Männchen) immer Gynomorphe (neben Arbeiterinnen und einigen Männchen). Intermorphe produzierten nach Verpaarung mit einem gyn-Männchen entweder nebeneinander Gynomorphe und Intermorphe (gyn/gyn und gyn/int, wenn die Königin eine gyn/int Heterozygote war), oder ausschließlich Intermorphe. Da gyn/int-Weibchen und int/int-Weibchen morphologisch nicht zu unterscheiden sind, ebenso wie gyn-Männchen und int-Männchen, konnte der vermutliche Genotyp der Intermorphen und der int-Männchen nur aus den Phänotypen ihrer Mütter ermittelt werden sowie aus später in den elterlichen Kolonien aufgezogenen Schwestern.
 
 
Die Auswirkungen der hypothetischen Allele gyn und int sind ähnlich denen von e und E bei Harpagoxenus sublaevis (Nylander 1852) und Leptothorax sp-A. Wie E in diesen Fällen, verhindert int dominant die Entstehung von Gynomorphen aus heterozygoten gyn/int-Larven. Dies ist das dritte bewiesene Beispiel für einen genetisch bedingten Königinnen-Polymorphismus bei Ameisen, und es ist das erste Beispiel aus einer Tribus (Myrmecinini) außerhalb der Formicoxenini. Das Prinzip könnte in weiteren Fällen von Königinnen-Polymorphismus bei Ameisen ebenfalls eine Rolle spielen.
 
 
'''Schlagworte''' Myrmecina graminicola (Latreille 1802) • gynomorph • intermorphic queens • crossbreeding • controlled ant mating • sexual calling • Gynomorphe • intermorphe Königinnen • Kreuzungen • kontrollierte Verpaarung von Ameisen • Locksterzeln
 
 
==Weblinks==
 
*[http://www.ameisenportal.eu/viewtopic.php?f=46&t=633&p=4184#p4184 Myrmecina graminicola - Fotos]
 
 
*[http://www.ameisenforum.de/einheimische-europ-ische-ameisen/41686-myrmecina-graminicola-latreille-1829-fotos.html Myrmecina graminicola - (Fotos leider gelöscht)]
 
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