Bearbeiten von „Vermehrung“

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[[Bild:Hurtnica_pospolita.jpg|right|thumb|200px|Königin mit Brut und Arbeiterinnen; rechts unter der Arbeiterin ein Puppenkokon, daneben ein Haufen Eier mit einer Larve links am Rand, links größere Larven]]
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==Allgemein==
Vom Ei bis zur Ameise gibt es 4 [[Brut|Entwicklungsstadien]]: [[Ei]], [[Larve]], [[Puppe]] und Adult- oder [[Imago|Imaginalstadium.]] Das Larvenleben selbst ist untergliedert in 3-5 Larvenstadien; aus dem Ei schlüpft die L1 (Larvenstadium 1), diese häutet sich zur L2 usw.. Vor der Häutung zur Puppe spinnt das letzte Larvenstadium in manchen Unterfamilien (z.B. [[Ponerinae]], [[Formicinae]], [[Myrmeciinae]]) einen Kokon aus Spinnseide, die der Labialdrüse entstammt. Wenige Tage vor der eigentlichen Puppenhäutung wird der Kotsack entleert, das Meconium abgegeben. Es enthält den gesamten im Laufe des Larvenlebens angesammelten Kot. Bei Kokonpuppen ist das Meconium als dunkler Fleck am Hinterende des Kokons zu sehen. In diesem Zustand, also Kotsack entleert, aber noch nicht zur Puppe gehäutet, wird die Larve als Vorpuppe (Präpuppe) bezeichnet. Sie erscheint schlaffer als die zuvor pralle Larve und ist weniger durchsichtig. In ihrem Inneren bilden sich nun die Fühler, Beine, Flügel usw. aus, die dann nach Abstreifen der Larvenhaut außen an den Puppen sichtbar sind.
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Vom Ei bis zur Ameise gibt es 4 [[Entwicklungsstadien]]: Ei, Larve, Puppe und Adult- oder Imaginalstadium, die fertige Ameise. Das Larvenleben selbst ist untergliedert in 3-5 Larvenstadien; aus dem Ei schlüpft die L1 (Larvenstadium 1), diese häutet sich zur L2 usw.. Vor der Häutung zur Puppe spinnt das letzte Larvenstadium in manchen Unterfamilien (z.B. [[Ponerinae]], [[Formicinae]], [[Myrmeciinae]]) einen Kokon aus Spinnseide, die der Labialdrüse entstammt. Wenige Tage vor der eigentlichen Puppenhäutung wird der Kotsack entleert, das Meconium abgegeben. Es enthält den gesamten im Laufe des Larvenlebens angesammelten Kot. Bei Kokonpuppen ist das Meconium als dunkler Fleck am Hinterende des Kokons zu sehen. In diesem Zustand, also Kotsack entleert, aber noch nicht zur Puppe gehäutet, wird die Larve als Vorpuppe (Präpuppe) bezeichnet. Sie erscheint schlaffer als die zuvor pralle Larve und ist weniger durchsichtig. In ihrem Inneren bilden sich nun die Fühler, Beine, Flügel usw. aus, die dann nach Abstreifen der Larvenhaut außen an den Puppen sichtbar sind.
  
 
Vier bis sechs Wochen nach der Begattung können bei manchen Arten aus den winzigen Eiern, die die Königin legt, die ersten  Arbeiterinnen entstehen, aus unbefruchteten Eiern wachsen später, in größeren Völkern, die Männchen heran. Die Samen für die Befruchtung der Eier trägt die Königin seit dem Hochzeitsflug bei sich. Die Larven werden mit vorverdauter Nahrung gefüttert, oft auch mit kleinen Stückchen Insektenfleisch, bis sie sich zu Puppen entwickeln.
 
Vier bis sechs Wochen nach der Begattung können bei manchen Arten aus den winzigen Eiern, die die Königin legt, die ersten  Arbeiterinnen entstehen, aus unbefruchteten Eiern wachsen später, in größeren Völkern, die Männchen heran. Die Samen für die Befruchtung der Eier trägt die Königin seit dem Hochzeitsflug bei sich. Die Larven werden mit vorverdauter Nahrung gefüttert, oft auch mit kleinen Stückchen Insektenfleisch, bis sie sich zu Puppen entwickeln.
  
==Geschlechtstiere==
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Geschlechtstiere==
 
Es gibt einmal die Männchen (die Bezeichnung „Drohnen“ ist bei Ameisen unüblich), zum anderen die unbegatteten Jung-Königinnen. Zum [[Hochzeitsflug]] verlassen diese das Nest. Die Königin paart sich mit einem Männchen aus einem anderen Nest in der Luft. Danach wirft sie die Flügel ab und gründet einen neuen Staat.  
 
Es gibt einmal die Männchen (die Bezeichnung „Drohnen“ ist bei Ameisen unüblich), zum anderen die unbegatteten Jung-Königinnen. Zum [[Hochzeitsflug]] verlassen diese das Nest. Die Königin paart sich mit einem Männchen aus einem anderen Nest in der Luft. Danach wirft sie die Flügel ab und gründet einen neuen Staat.  
  
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Die Männchen sterben nach dem Hochzeitsflug und erfüllen sonst keine weiteren Aufgaben.  
 
Die Männchen sterben nach dem Hochzeitsflug und erfüllen sonst keine weiteren Aufgaben.  
  
Die Arbeiterinnen sind theoretisch in der Lage Eier zu legen. Die (paarigen) Eierstöcke sind hingegen nicht so stark entwickelt wie der bei einer Königin. Bei manchen Arten haben die Arbeiterinnen überhaupt keine Ovarien, z.B. bei Tetramorium spp.. Des Weiteren wird die Eiablage der einzelnen Arbeiterinnen mit einem Botenstoff der Königin unterdrückt. Bei anderen Arten fressen Arbeiterinnen die von ihren Schwestern gelegten Eier („policing“). Wenn die Königin stirbt, beginnen die Arbeiterinnen mit der Eiablage, falls sie Ovarien besitzen. Das Volk kann dann noch über 2-3 Jahre Männchen aufziehen, bis die letzten Arbeiterinnen weggestorben sind.
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Die Arbeiterinnen sind theoretisch in der Lage Eier zu legen. Der Eierstock ist hingegen nicht so stark entwickelt, wie der bei einer Königin. Bei manchen Arten haben die Arbeiterinnen überhaupt keine Ovarien, z.B. bei Tetramorium spp.. Des Weiteren wird die Eiablage der einzelnen Arbeiterinnen mit einem Botenstoff der Königin unterdrückt. Bei anderen Arten fressen Arbeiterinnen die von ihren Schwestern gelegten Eier („policing“). Wenn die Königin stirbt, beginnen die Arbeiterinnen mit der Eiablage, falls sie Ovarien besitzen. Das Volk kann dann noch über 2-3 Jahre Männchen aufziehen, bis die letzten Arbeiterinnen weggestorben sind.
  
 
Nach dem Hochzeitsflug schwillt das Abdomen (besser: Die Gaster) der Königin stark an. Dann beginnt sie mit der Gründung eines neuen Staates.  
 
Nach dem Hochzeitsflug schwillt das Abdomen (besser: Die Gaster) der Königin stark an. Dann beginnt sie mit der Gründung eines neuen Staates.  
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Eine wichtige Arbeit, in der die Genitalorgane von Blattschneiderameisen (Atta) auch bildlich dargestellt werden. Nachweis von Verletzungen im weiblichen Genitaltrakt, die bei der Paarung durch die bezahnten Penisvalven des Männchens hervorgerufen werden.<ref name="baer&boomsma">Baer, B. & Boomsma, J. J. 2006. Mating biology of the two leaf-cutting ants Atta colombica and A. cephalotes. J. Morph. 267: 1165-1171, die Arbeit kann [http://www1.bio.ku.dk/forskning/oe/cse/media/baerboomsma2006_jmorphology.pdf hier] als pdf herunter geladen werden.</ref>
 
Eine wichtige Arbeit, in der die Genitalorgane von Blattschneiderameisen (Atta) auch bildlich dargestellt werden. Nachweis von Verletzungen im weiblichen Genitaltrakt, die bei der Paarung durch die bezahnten Penisvalven des Männchens hervorgerufen werden.<ref name="baer&boomsma">Baer, B. & Boomsma, J. J. 2006. Mating biology of the two leaf-cutting ants Atta colombica and A. cephalotes. J. Morph. 267: 1165-1171, die Arbeit kann [http://www1.bio.ku.dk/forskning/oe/cse/media/baerboomsma2006_jmorphology.pdf hier] als pdf herunter geladen werden.</ref>
 
===Künstliche Besamung von Blattschneider-Königinnen (''Atta colombica'')===
 
 
Das Thema kommt in den Foren immer mal wieder auf, so im Dezember 2012 http://www.ameisenforum.de/kunstliche-besamung-von-blattschneider-koniginnen-atta-colombica-t49282.html sowie aktuell in einem anderen Forum.
 
 
S. P. A. den Boer, J. J. Boomsma & B. Baer 2013: A technique to artificially inseminate leafcutter ants. – Insectes Sociaux 60, 111-118.
 
http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs00040-012-0273-3#page-1  („Look inside“ anklicken!)
 
(Man kann darin ein eindrucksvolles Bild über die Innereien in der Gaster einer Königin ansehen; auch die Technik der künstl. Besamung wird abgebildet!)
 
 
'''Das Ergebnis''' ist, kurz gesagt: '''Man kann Atta-Königinnen künstlich besamen''' (besser wäre: künstlich begatten, denn besamt werden Eier, und das erfolgt erst später; aber „künstl. Besamung“ und „artificial insemination“ haben sich eingebürgert, aus der Nutztierzucht).
 
 
'''Aber:''' Von '''135''' künstlich begatteten Königinnen haben nur '''acht''' (5.9 %) Eier gelegt, und von diesen haben '''drei''' schließlich kleine Kolonien mit mehr als 20 Arbeiterinnen gegründet.
 
 
Die Überlebensdauer der künstlich besamten Königinnen betrug zwischen 1 und 30 Tagen; eine einzige überlebte 252 Tage (es war eine der erfolgreichen Gründerinnen).
 
 
Unter den acht Tieren, die Eier ablegten, begann die Eiablage zwischen 3 und 14 Tagen nach Besamung.
 
 
Verwendet wurden Königinnen und Männchen aus Natur-Kolonien von Atta colombica in Panama, wo auch die Versuche durchgeführt wurden.
 
 
Resumée für die Zucht von Atta: Die Technik muss noch verbessert werden, und ob das Ganze je mit Zuchtkolonien etwa in Europa gelingen wird, steht bisher in den Sternen.
 
  
 
===Flügelabwurf begatteter Jungköniginnen===
 
===Flügelabwurf begatteter Jungköniginnen===
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==Kreuzung von Ameisenarten==
 
==Kreuzung von Ameisenarten==
{{Hauptartikel|Kreuzung verschiedener Arten}}
 
 
Kreuzung (= Hybridisierung) von Ameisenarten kommt in freier Wildbahn vor und kann experimentell im Labor durchgeführt werden.
 
Kreuzung (= Hybridisierung) von Ameisenarten kommt in freier Wildbahn vor und kann experimentell im Labor durchgeführt werden.
 
Z.B. Seifert <ref name="seifert">Seifert B. (1999): Interspecific hybridisations in natural populations of ants by example of a regional fauna (Hymenoptera, Formicidae). Insectes Sociaux 46, 45-52</ref> listet eine Anzahl von Beispielen aus der mitteleuropäischen Fauna auf. Von den seinerzeit bekannten 164 Arten hybridisieren 17 von Natur aus, für zwei weitere wird es vermutet. Zu den natürlicherweise  sich verkreuzenden Arten gehören:  
 
Z.B. Seifert <ref name="seifert">Seifert B. (1999): Interspecific hybridisations in natural populations of ants by example of a regional fauna (Hymenoptera, Formicidae). Insectes Sociaux 46, 45-52</ref> listet eine Anzahl von Beispielen aus der mitteleuropäischen Fauna auf. Von den seinerzeit bekannten 164 Arten hybridisieren 17 von Natur aus, für zwei weitere wird es vermutet. Zu den natürlicherweise  sich verkreuzenden Arten gehören:  
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Im Labor wurden v.a. Arten verkreuzt um herauszufinden, ob es sich wirklich um Arten oder evtl. nur um Unterarten handelt. Im Labor des Verfassers wurden insbesondere sozialparasitische Arten verkreuzt, ganz einfach deshalb, weil das bei diesen Arten problemlos möglich war und weil das Ergebnis interessant zu sein schien.
 
Im Labor wurden v.a. Arten verkreuzt um herauszufinden, ob es sich wirklich um Arten oder evtl. nur um Unterarten handelt. Im Labor des Verfassers wurden insbesondere sozialparasitische Arten verkreuzt, ganz einfach deshalb, weil das bei diesen Arten problemlos möglich war und weil das Ergebnis interessant zu sein schien.
  
Im Forum eines Ameisenhändlers wurde unterstellt, dass dabei irgendwelche Monsterameisen hätten entstehen können, „Was wäre wenn diese Kreuzungen nun polygyn und ausbruchsfreudig wie Pheidole sind? Kann das jemand sagen? Ein Wissenschaftler bestimmt nicht“.
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Im Forum eines Ameisenhändlers wurde kürzlich unterstellt, dass dabei irgendwelche Monsterameisen hätten entstehen können, „Was wäre wenn diese Kreuzungen nun polygyn und ausbruchsfreudig wie Pheidole sind? Kann das jemand sagen? Ein Wissenschaftler bestimmt nicht“.
 
In der einzigen in dem Thread zitierten Arbeit
 
In der einzigen in dem Thread zitierten Arbeit
 
<ref name="buschinger1972">Buschinger, A., 1972: Kreuzung zweier sozialparasitischer Ameisenarten, Doronomyrmex pacis KUTTER und Leptothorax kutteri BUSCHINGER (Hym., Formicidae). Zool. Anz. 189, 169-179</ref> handelt es sich jedoch um zwei arbeiterinnenlose (!) Parasiten, und Hybride entstanden in nur geringer Zahl. Selbstverständlich wurden diese weder ins Freie entlassen noch in den Handel gebracht.
 
<ref name="buschinger1972">Buschinger, A., 1972: Kreuzung zweier sozialparasitischer Ameisenarten, Doronomyrmex pacis KUTTER und Leptothorax kutteri BUSCHINGER (Hym., Formicidae). Zool. Anz. 189, 169-179</ref> handelt es sich jedoch um zwei arbeiterinnenlose (!) Parasiten, und Hybride entstanden in nur geringer Zahl. Selbstverständlich wurden diese weder ins Freie entlassen noch in den Handel gebracht.
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A. Buschinger
 
A. Buschinger
  
'''Ergänzung:''' Zur Systematik von Messor-Arten: Hybridisierungen und Zusammenleben mehrerer Arten in einem Nest (einschließlich Messor capitatus):
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Ergänzung: Im Forum der Deutschen Ameisenschutzwarte können ernsthaft Interessierte mich kontaktieren. Dort kann ich auch Hinweise geben, wie man an die eine oder andere Veröffentlichung kommt (nicht nur meiner Arbeiten), so dass man sie lesen kann.
[[http://www.ameisenwiki.de/index.php/Aktuelle_Ereignisse#Messor-Hybridisierungen_und_Zusammenleben_mehrerer_Arten_in_einem_Nest_.2805._Dez._2011.29]]
 
  
'''Ergänzung:'''  Hybridisierung von ''Myrmica scabrinodis'' und ''M. vandeli'' [[http://www.ameisenwiki.de/index.php/Aktuelle_Ereignisse#Nachweis_einer_Hybridisierung_von_Myrmica-Arten_mit_morphometrischen_Methoden_.2814._Juli._2012.29]]
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'''Siehe auch [[Kreuzung verschiedener Arten]].'''
  
 
==Inzucht bei Ameisen==
 
==Inzucht bei Ameisen==
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In kleinen Populationen (wenige Nester einer Art in einem Inselhabitat, Waldlichtung etc.) ist dieser Index klein, es gibt naturgemäß häufiger Verpaarungen von näher verwandten Tieren (das müssen nicht Geschwister sein, können auch Halbgeschwister, Onkel und Nichten o.dgl. sein). In großen Populationen mit ausgedehnten Schwarmflügen ist die Heterozygotie größer (Heterozygotie: Ein bestimmtes Gen, das in der Population in mehreren Allelen auftritt, ist im weiblichen, diploiden, Individuum durch zwei gleiche oder zwei verschiedene Allele vertreten; die Arbeiterin ist für ein bestimmtes Merkmal homozygot oder heterozygot. – Männchen sind haploid, haben daher stets nur ein Allel jeden Gens).
 
In kleinen Populationen (wenige Nester einer Art in einem Inselhabitat, Waldlichtung etc.) ist dieser Index klein, es gibt naturgemäß häufiger Verpaarungen von näher verwandten Tieren (das müssen nicht Geschwister sein, können auch Halbgeschwister, Onkel und Nichten o.dgl. sein). In großen Populationen mit ausgedehnten Schwarmflügen ist die Heterozygotie größer (Heterozygotie: Ein bestimmtes Gen, das in der Population in mehreren Allelen auftritt, ist im weiblichen, diploiden, Individuum durch zwei gleiche oder zwei verschiedene Allele vertreten; die Arbeiterin ist für ein bestimmtes Merkmal homozygot oder heterozygot. – Männchen sind haploid, haben daher stets nur ein Allel jeden Gens).
  
Am geringsten ist Inzucht bei häufigen, '''monogynen''' Arten, deren Geschlechtstiere weite Hochzeitsflüge unternehmen (Musterbeispiel ''[[Lasius niger]]'').
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Am geringsten ist Inzucht bei häufigen, '''monogynen''' Arten, deren Geschlechtstiere weite Hochzeitsflüge unternehmen (Musterbeispiel ''Lasius niger'').
  
Bei '''polygynen''' Arten wird oft berichtet, dass Geschlechtstiere bereits auf dem Nest oder gar im Nest kopulieren. Andere Geschlechtstiere derselben Arten fliegen auch mehr oder weniger weit ab; Männchen können mit Weibchen aus fremden Nestern kopulieren, begattete Jungköniginnen Aufnahme in einem fremden Nest finden (Musterbeispiel die polygyne ''[[Formica polyctena]]'').
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Bei '''polygynen''' Arten wird oft berichtet, dass Geschlechtstiere bereits auf dem Nest oder gar im Nest kopulieren. Andere Geschlechtstiere derselben Arten fliegen auch mehr oder weniger weit ab; Männchen können mit Weibchen aus fremden Nestern kopulieren, begattete Jungköniginnen Aufnahme in einem fremden Nest finden (Musterbeispiel die polygyne ''Formica polyctena'').
Die Verpaarung im/nahe dem Nest findet allerdings nicht notwendigerweise zwischen Vollgeschwistern statt: Es sind ja viele Königinnen vorhanden, deren jeweilige Nachkommen sich mit Söhnen/Töchtern jeweils anderer Königinnen verpaaren können. Die Königinnen selbst sind genetisch unterschiedlich, und auch das Sperma in ihren [[Receptaculum seminis|Receptacula]] kann von ganz verschiedenen Vätern stammen. Ein Waldameisenvolk oder gar die Bewohner einer [[Superkolonie]] entsprechen somit genetisch eher einer ganzen Population von zahlreichen monogynen Völkern.  
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Die Verpaarung im/nahe dem Nest findet allerdings nicht notwendigerweise zwischen Vollgeschwistern statt: Es sind ja viele Königinnen vorhanden, deren jeweilige Nachkommen sich mit Söhnen/Töchtern jeweils anderer Königinnen verpaaren können. Die Königinnen selbst sind genetisch unterschiedlich, und auch das Sperma in ihren Receptacula kann von ganz verschiedenen Vätern stammen. Ein Waldameisenvolk oder gar die Bewohner einer Superkolonie entsprechen somit genetisch eher einer ganzen Population von zahlreichen monogynen Völkern.  
  
Ähnlich sieht es wahrscheinlich bei anderen polygynen Arten aus, wie etwa ''[[Myrmica rubra]]''. Der Heterozygotiegrad in deren Nestern wird umso kleiner (die Inzucht also umso stärker) sein, je weniger Königinnen in einem Nest enthalten sind. Falls es gelingt, in der Formikar-[[Haltung]] Geschlechtstiere zur [[Ameisenzucht|Aufzucht und zur Verpaarung]] zu bringen, wird die Inzucht umso stärker werden, je weniger Königinnen am Anfang in den (ja meist kleinen) Völkern vorhanden waren.  
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Ähnlich sieht es wahrscheinlich bei anderen polygynen Arten aus, wie etwa ''Myrmica rubra''. Der Heterozygotiegrad in deren Nestern wird umso kleiner (die Inzucht also umso stärker) sein, je weniger Königinnen in einem Nest enthalten sind. Falls es gelingt, in der Formikar-Haltung Geschlechtstiere zur Aufzucht und zur Verpaarung zu bringen, wird die Inzucht umso stärker werden, je weniger Königinnen am Anfang in den (ja meist kleinen) Völkern vorhanden waren.  
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'''Schadet Inzucht?'''
  
===Schadet Inzucht?===
 
 
Ja und nein. Bei starker Inzucht können befruchtete Eier zufällig in den für die Geschlechtsbestimmung verantwortlichen Allelen völlig homozygot sein. Das hat dieselbe Konsequenz wie Hemizygotie (Allele nur in jeweils einer Form vorhanden, wie im haploiden unbefruchteten Ei): Das Ei entwickelt sich zum – dann diploiden – Männchen! Solche Männchen sind in der Regel unfruchtbar (bei der Honigbiene werden sie bereits in einem jungen Larvenstadium entdeckt und gefressen; zieht man sie künstlich auf, entstehen Drohnen mit kleinen, wenig funktionstüchtigen Hoden).
 
Ja und nein. Bei starker Inzucht können befruchtete Eier zufällig in den für die Geschlechtsbestimmung verantwortlichen Allelen völlig homozygot sein. Das hat dieselbe Konsequenz wie Hemizygotie (Allele nur in jeweils einer Form vorhanden, wie im haploiden unbefruchteten Ei): Das Ei entwickelt sich zum – dann diploiden – Männchen! Solche Männchen sind in der Regel unfruchtbar (bei der Honigbiene werden sie bereits in einem jungen Larvenstadium entdeckt und gefressen; zieht man sie künstlich auf, entstehen Drohnen mit kleinen, wenig funktionstüchtigen Hoden).
In wahrscheinlich seltenen Fällen werden diploide Männchen aufgezogen und können sich sogar verpaaren. Man weiß kaum etwas darüber, wie häufig das vorkommt. Aus meinen eigenen Zuchtversuchen weiß ich, dass bei dem Sklavenhalter ''[[Harpagoxenus sublaevis]]'' schließlich triploide Männchen entstanden (also mit 3 Chromosomensätzen; wir haben die Chromosomen präpariert und dargestellt). Solche Männchen waren sehr viel größer als normal und hatten u.a. verzweigte Fühler, also [[Missbildung]]en.
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In wahrscheinlich seltenen Fällen werden diploide Männchen aufgezogen und können sich sogar verpaaren. Man weiß kaum etwas darüber, wie häufig das vorkommt. Aus meinen eigenen Zuchtversuchen weiß ich, dass bei dem Sklavenhalter ''Harpagoxenus sublaevis'' schließlich triploide Männchen entstanden (also mit 3 Chromosomensätzen; wir haben die Chromosomen präpariert und dargestellt). Solche Männchen waren sehr viel größer als normal und hatten u.a. verzweigte Fühler, also Missbildungen.
  
===Inzucht als Regelfall===
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'''Inzucht als Regelfall'''
Dies wurde bei mehreren [[sozialparasit]]ischen Arten der Gattung ''[[Myrmoxenus]]'' beobachtet. Die Völker sind monogyn, es werden viele Jungköniginnen und relativ wenige Männchen produziert. Weder Männchen noch Weibchen verlassen das Mutternest. Sie verpaaren sich in diesem im Herbst, wobei ein Männchen 5 und mehr Schwestern begatten kann. Die Männchen sterben, die begatteten Jungköniginnen werfen die Flügel ab und verbringen den Winter im Mutternest. Im zeitigen Frühjahr (März – es sind Arten aus dem Mittelmeergebiet) laufen die Jungköniginnen los und suchen ein Nest der Wirtsart. Die Wirtsvölker sind ebenfalls monogyn. Die Parasitenkönigin beseitigt die Wirtskönigin („würgt“ sie tagelang am Hals) und setzt sich an deren Stelle. Die Wirtsarbeiterinnen ziehen aus der ''Myrmoxenus''-Brut die nächste Generation des Parasiten heran.<ref name="buschinger1989">Buschinger, A., 1989: Evolution, speciation, and inbreeding in the parasitic ant genus ''Epimyrma'' (Hymenoptera, Formicidae). J. evol. Biol. 2, 265-283</ref> Wie dieses System funktioniert ist durchaus rätselhaft: Eigentlich müssten nach dem bisher von Hymenopteren bekannten Mechanismus ausschließlich diploide Männchen entstehen; aber dann gäbe es diese Arten ja nicht mehr. ''Myrmoxenus'' muss also ein anderes Prinzip der Geschlechtsbestimmung entwickelt haben, das eine so extreme Inzucht toleriert.
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Kürzlich wurde ein ganz ähnliches Inzucht-System bei der nordamerikanischen ''[[Temnothorax minutissimus]]'' entdeckt. Diese Art allerdings lebt als [[Inquiline]] in z. T. polygynen Völkern der Wirtsart mit deren Königinnen zusammen.<ref name="buschinger&linksvayer">Buschinger, A., Linksvayer, T.A., 2004: Novel blend of life history traits in an inquiline ant, ''Temnothorax minutissimus'', with a description of the male (Hymenoptera: Formicidae). Myrmecologische Nachrichten 6, 67-76. Die Arbeit ist [http://myrmecologicalnews.org/cms/images/pdf/volume6/mn6_67-76_printable.pdf hier] (PDF) online einzusehen./</ref>
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Dies wurde bei mehreren sozialparasitischen Arten der Gattung ''Myrmoxenus'' (früher: ''Epimyrma'') beobachtet. Die Völker sind monogyn, es werden viele Jungköniginnen und relativ wenige Männchen produziert. Weder Männchen noch Weibchen verlassen das Mutternest. Sie verpaaren sich in diesem im Herbst, wobei ein Männchen 5 und mehr Schwestern begatten kann. Die Männchen sterben, die begatteten Jungköniginnen werfen die Flügel ab und verbringen den Winter im Mutternest. Im zeitigen Frühjahr (März – es sind Arten aus dem Mittelmeergebiet) laufen die Jungköniginnen los und suchen ein Nest der Wirtsart. Die Wirtsvölker sind ebenfalls monogyn. Die Parasitenkönigin beseitigt die Wirtskönigin („würgt“ sie tagelang am Hals) und setzt sich an deren Stelle. Die Wirtsarbeiterinnen ziehen aus der ''Myrmoxenus''-Brut die nächste Generation des Parasiten heran. <ref name="buschinger1989">Buschinger, A., 1989: Evolution, speciation, and inbreeding in the parasitic ant genus ''Epimyrma'' (Hymenoptera, Formicidae). J. evol. Biol. 2, 265-283</ref> Wie dieses System funktioniert ist durchaus rätselhaft: Eigentlich müssten nach dem bisher von Hymenopteren bekannten Mechanismus ausschließlich diploide Männchen entstehen; aber dann gäbe es diese Arten ja nicht mehr. ''Myrmoxenus'' muss also ein anderes Prinzip der Geschlechtsbestimmung entwickelt haben, das eine so extreme Inzucht toleriert.
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Kürzlich wurde ein ganz ähnliches Inzucht-System bei der nordamerikanischen ''Temnothorax minutissimus'' entdeckt. Diese Art allerdings lebt als Inquiline in z.T. polygynen Völkern der Wirtsart mit deren Königinnen zusammen.  
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<ref name="buschinger&linksvayer">Buschinger, A., Linksvayer, T.A., 2004: Novel blend of life history traits in an inquiline ant, ''Temnothorax minutissimus'', with a description of the male (Hymenoptera: Formicidae). Myrmecologische Nachrichten 6, 67-76. Die Arbeit ist [http://myrmecologicalnews.org/cms/images/pdf/volume6/mn6_67-76_printable.pdf hier] (PDF) online einzusehen./</ref>
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'''Anmerkung zur Terminologie:'''
  
===Anmerkung zur Terminologie===
 
 
'''„Hypothese“''' bezeichnet eine Gedankenkonstruktion, einen Erklärungsversuch, eine Annahme oder Unterstellung, die eine Beobachtung zu interpretieren versucht. Ob die Hypothese zutrifft oder nicht, muss durch entsprechende weitere Beobachtungen oder Experimente aufgezeigt werden. Ein schlichtes Beispiel, bei dem das Ergebnis bekannt ist:
 
'''„Hypothese“''' bezeichnet eine Gedankenkonstruktion, einen Erklärungsversuch, eine Annahme oder Unterstellung, die eine Beobachtung zu interpretieren versucht. Ob die Hypothese zutrifft oder nicht, muss durch entsprechende weitere Beobachtungen oder Experimente aufgezeigt werden. Ein schlichtes Beispiel, bei dem das Ergebnis bekannt ist:
 
Statistisch gesehen verlaufen in den letzten 30 Jahren der Rückgang der Geburtenrate beim Menschen und der Rückgang der Störche gleichsinnig. Daraus könnte man die Hypothese formulieren: „Es besteht ein ursächlicher Zusammenhang, der Storch bringt die kleinen Kinder“.
 
Statistisch gesehen verlaufen in den letzten 30 Jahren der Rückgang der Geburtenrate beim Menschen und der Rückgang der Störche gleichsinnig. Daraus könnte man die Hypothese formulieren: „Es besteht ein ursächlicher Zusammenhang, der Storch bringt die kleinen Kinder“.
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(A.B.)
 
(A.B.)
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==Einzelnachweise==
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<references/>
  
 
==Siehe auch==
 
==Siehe auch==
*[[Brut]]
 
 
*[[Brutentwicklungsdauer]]
 
*[[Brutentwicklungsdauer]]
*[[Geschlechtsorgane]]
 
*[[Kreuzung verschiedener Arten]]
 
*[[Parthenogenese]]
 
*[[Thelytokie]]
 
*[[weisellose Kolonien]]
 
 
==Einzelnachweise==
 
<references/>
 
  
 
[[Kategorie:Allgemein]]
 
[[Kategorie:Allgemein]]
[[Kategorie:Anatomie]]
 
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